Donnerstag, 8. August 2002

Rapid holte im Derby gegen Austria glücklichen Punkt

  • Sturm als lachender Dritter neuer Tabellenführer
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Die Austria spielte groß auf, doch in einer kurzen Phase der Schwäche schlug Rapid erbarmungslos zu. Ein Wallner-Treffer in der 85. Minute brachte dem Rekordmeister am Mittwoch im 230. Wiener Fußball-Derby ein glückliches 1:1. Die Grün-Weißen stürzten die Austria damit von der Spitze. Sturm Graz nützte die Chance und übernahm mit einem 3:0-Sieg bei der Admira Platz eins der T-Mobile-Bundesliga.

Der Vergleich von Rapid-Trainer Josef Hickersberger (Austria - Rapid ist wie Rolls Royce gegen Golf-Diesel) war voll treffend. Die Austria führte den Erzrivalen eine Stunde lang mit herrlichem Fußball, hohem Tempo und schönen Kombinationen vor, verabsäumte es aber, dem Treffer von Roland Linz (19.) einen zweiten nachzulegen. Die Strafe folgte in der Schlussphase.

60 Minuten Spitzenfußball
"Ich muss der Mannschaft trotzdem gratulieren. Wir haben 60 Minuten Spitzenfußball gespielt, wir hatten sieben, acht hochkarätige Chancen. Hätten wir das 2:0 gemacht, wäre Rapid weg gewesen. Aber so ist Fußball. Rapid wollte mehr, wurde offensiver, hat mehr Zweikämpfe gewonnen. Wir sind 20 Minuten zurück gefallen, waren nicht so aggressiv, da müssen wir die Ursache finden", analysierte Austria-Coach Walter Schachner.

Abstauber von Wallner zum Ausgleich
Schachner sah "einen Schritt nach vorne" und "taktische Disziplin", aber auch zwei gravierende Fehler. Dhedeene ließ sich in der entscheidenden Situation von Hofmann den Ball abjagen, Mandl konnte den Schuss von Ivanschitz nicht festhalten, Wallner staubte ab. "Der Fehler von Mandl ist nicht so gravierend, dass man einen Tausch vornehmen muss", nahm der Austria-Trainer seinen Torhüter in Schutz, "aber wenn du um die Meisterschaft spielen willst, darfst du solche Fehler nicht machen."

Hickes glückliche Hand beim Austausch
Trotz des großen Kaders bei der Austria und der finanziell engen Grenzen der Hütteldorfer waren die Tausch-Aktionen zu Gunsten von Rapid miteintscheidend. Die starken Austrianer Janocko und Flögel gingen, die Rapidler Hofmann und Ivanschitz hatten beim Ausgleich ihre Füße im Spiel. "Als Hickersberger ausgetauscht hat, wurde Rapid stärker. Als wir ausgetauscht haben, wurden wir schwächer", stellte Austria-Sportchef Peter Svetits fest. Ob da die Ausgaben für die Transfers schmerzen? "So viel Geld kann ich gar nicht verlieren, dass ich weniger habe. Es ist sehr gut, dass die Wiener Klubs wieder eine Rolle spielen", sagte Frank Stronach.

"Die beste Austria in dieser Saison"
Hickersberger durfte sich zwar über einen Punkt freuen, zufrieden war er aber keineswegs. "Man muss immer sehen, wie das Resultat zu Stande kommt. Ich kann nicht erleichtert sein. Man hat den Unterschied zu einer sehr starken Austria gesehen. Man ist immer so gut, wie es der Gegner zulässt. 45 Minuten lang hat die Austria gar nichts zugelassen. Ich habe die Austria nicht so stark erwartet, es war die beste Austria in dieser Saison", meinte Hickersberger.

Herzog sah keinen Ball
Selbst erfahrene Spieler wie Herzog, Sobotzik oder Rene Wagner hätten keine Bälle gesehen. "Walter (Schachner) sagt, ich bin ein Tiefstapler. Nach diesem Spiel brauche ich einen Gabelstapler, um die Mannschaft wieder zu heben", meinte der Rapid-Coach.

Kapitän muss geholfen werden
Der ehemalige Teamchef, unter dem Herzog sein Teamdebüt gefeiert hatte, wollte die Unterlegenheit aber nicht an seinem Kapitän festmachen: "Im Moment ist er nicht in einer sehr guten Phase. Aber ich war in der Anfangsphase seiner Laufbahn sein Teamchef und jetzt zum Ende seiner Karriere sein Klubtrainer. Ich habe die Verpflichtung, ihm so gut wie möglich zu helfen."

Sturms Masudi groß in Form
Groß in Form zeigt sich dagegen Alain Masudi von Sturm Graz. Der Afrikaner geigte in der Südstadt groß auf und war maßgeblich mitbeteiligt, dass die Steirer die Tabellenführung übernahmen und sich für das Qualifikations-Hinspiel in der Champions League am Dienstag in Sofia gegen Maccabi Haifa weiteres Selbstvertrauen holten. "Das Wichtigste ist grundsätzlich die Mannschaft. Wenn man aber hoch führt, dann kann man auch ein bisschen zaubern", sagte Masudi.

Erster Saison-Heimsieg des FC Kärnten
Den ersten Saison-Heimsieg durfte der FC Kärnten (3:0 gegen Ried) bejubeln. "Es ist erfreulich, dass die Mannschaft seit langem wieder kämpferisch und läuferisch überzeugt hat. Das war gegen diese Ried-Elf nicht einfach", meinte Trainer Heinz Hochauser.

8.8.2002 12:21