Samstag, 10. August 2002

Deutsche holten beim EM-Showdown zweites Gold

  • Russland in Medaillen-Wertung voran
  • Noch zwei Titel für Großbritannien

Am letzten Tag der 18. Leichtathletik-Europameisterschaften in München haben in elf Entscheidungen zehn Länder Gold geholt, nur Großbritannien blieb zwei Mal erfolgreich. Die Briten gewannen beide Herren-Staffeln, Deutschland holte in der 4x400-m-Staffel der Damen seinen zweiten Titel dieser EM. Überraschungen gab es im Herren-Marathon und über 1.500 m der Damen. Russland wurde mit sieben Gold-, neun Silber- sowie acht Bronze-Medaillen Sieger der Medaillen-Wertung, blieb am Sonntag aber ohne Gold.

Für eine Sensation sorgte die Türkin Sureyya Ayhan. Die 24-Jährige dominierte die 1.500 m ab dem Start von der Spitze weg und verwies die rumänische Favoritin Gabriela Szabo um zwei Hundertstel Sekunden auf Platz zwei. In 3:58,79 Minuten markierte Ayhan Jahresweltbestleisung, bisher war ihre Top-Marke bei 4:03,99 gestanden. Szabo blieb erstmals seit der EM 1998 in Budapest bei einer Großveranstaltung ohne Gold-Medaille.

Überraschung im Marathon
Der Finne Janne Holmen hatte im Marathon für die erste Überraschung des Schlusstages gesorgt. Der 24-Jährige hatte sich bald nach dem Start mit dem Norweger Johan Rasmussen abgesetzt und lief später solo dem Ziel entgegen. Mit 2:12:14 Stunden verbesserte der Skandinavier seine bisherige Bestzeit um gleich 4:10 Min. Holmens bisher größter Erfolg war Rang acht bei der Halbmarathon-WM 2001 gewesen. Der neue Titelträger ist erblich vorbelastet, wurde doch seine Mutter 1974 3.000-m-Europameisterin und sein Vater 1971 EM-Zwölfter über 5.000 m.

Staffel-Siege der Briten
In den Staffeln setzten sich die Briten mit der Jahres-Weltbestzeit von 38,19 Sek. über 4x100 m und in guten 3:01,25 Min. über 4x400 m durch. Pech hatten die Deutschen, bei denen Dautzenberg als zweiter Mann vom Polen Plawgo zu Fall gebracht wurde. Die Polen wurden daher später disqualifiziert. Die 4x400-m-Damenstaffel der Deutschen hatte schon davor Gold geholt, 400-m-Silber-Gewinnerin Grit Breuer nahm dabei Revanche an ihrer Bezwingerin Zykina (RUS) und kämpfte sie diesmal auf der Zielgeraden nieder. In der Sprintstaffel der Frauen siegte Frankreich.

5.000-m-Laufan Garcia
Der 5.000-m-Lauf der Herren endete mit dem Sieg des Spaniers Alberto Garcia in 13:38,18 Min. Davor war der Däne Wilson Kipketer über 800 m in 1:47,25 Min. seiner Favoritenstellung gerecht geworden, nachdem er die vergangene Saison wegen einer Fußverletzung pausiert hatte. Der in der Vorbereitung verletzt gewesene Schweizer Andre Bucher wurde vor Lokalmatador Nils Schumann überraschend Zweiter.

Ungarn gewinnt Diskus-Gold
Weitere Herren-Titel gingen im Diskus an den Ungarn Robert Fazekas (68,83 m) sowie im Weitsprung an den Ukrainer Alexej Lukaschewitsch (8,08 m). Schweden bestätigte sich schließlich als Land der Springer, Favoritin Kajsa Bergqvist siegte im Hochsprung mit 1,98 m.

Positive Bilanz
Die Bilanz der Titelkämpfe kann sich vor allem für das Veranstalterland sehen lassen. Die Deutschen landeten in der Medaillen-Bilanz wegen "nur" zweier Gold-Medaillen zwar nur auf Platz sieben, nach der Edelmetall-Anzahl (18) sind sie aber Zweite. Einen noch bleibenderen Eindruck hinterließ trotz meist schlechten Wetters das Publikumsecho mit insgesamt 303.900 Zuschauern, die meisten Athleten schwärmten zudem über die "Gänsehaut-Atmosphäre" im Olympiastadion. In der Medaillen-Bilanz hinter Russland landeten die Briten (7/1/6) vor Spanien (6/3/6).

Ein Europarekord
Wie 1998 in Budapest gab es in München einen Europarekord, das verregnete 10.000-m-Solo der Britin Paula Radcliffe. Dazu kamen die Weltbestzeit des polnischen Gehers Robert Korzeniowski über 50 km, der Junioren-Weltrekord der schwedischen Siebenkampf-Siegerin Carolina Kluft und insgesamt elf Jahres-Weltbestleistungen. Vier Herren- und drei Damen-Titel von Budapest wurden mit Erfolg verteidigt.

10.8.2002 19:24