Freitag, 9. August 2002

19 Entscheidungen zum EM-Ausklang in München

  • Zumindest drei mit ÖLV-Beteiligung - Weidlinger will Medaille

19 Titelentscheidungen stehen zum Abschluss der 18. Leichtathletik-Europameisterschaften in München am Wochenende auf dem Programm. Aus österreichischer Sicht konzentriert sich das Interesse besonders auf den Samstag, an dem neben dem Frauen-Marathon mit Dagmar Rabensteiner zumindest zwei Finali mit ÖLV-Beteiligung stattfinden: Über 3.000 m Hindernis (16.30 Uhr) vertreten die Oberösterreicher Günther Weidlinger und Martin Pröll die rot-weiß-roten Farben, und im Kugelstoßen (16.50) startet die Hallen-EM-Vierte Walentina Fedjuschina direkt mit dem Endkampf in die EM.

"Ich will eine Medaille gewinnen", heißt weiterhin das Ziel des ehemaligen Junioren- und U23-Europameisters Weidlinger. "Im Vorlauf habe ich die Arbeit gemacht, im Finale überlasse ich sie jetzt den anderen. Ich werde diesmal also nicht agieren, sondern reagieren, je nach dem wie die anderen das Rennen anlegen", lautet die Taktik des 24-jährigen ÖLV-Rekordlers, der nach seinem Achillessehnenriss im Vorjahr heuer bereits Dritter der Studenten-WM im Crosslauf war. "Nur wenn Medaillenanwärter wie der niederländische Europarekordler Simon Vroemen oder der Franzose Bouabdallah Tahri von Beginn an ihr Heil in der Flucht suchen, werde ich von Anfang an ganz vorne mitgehen. Ich muss halt aufpassen, dass ich die richtige Post erwische."

Pröll versteht Weidlinger nicht
Sein Teamkollege und Finalkonkurrent Pröll traut dem Innviertler allerdings noch keine Medaille zu. "Für mich heißen die Favoriten Vroemen, Tahri, dessen Landsmann Vincent Le Dauphin sowie die beiden Spanier Antonio Jimenez und Luis Martin", lautet die Prognose des mit 21 Jahren jüngsten Steeple-Teilnehmer der EM in Bayern. "Ich verstehe auch nicht, warum sich der Günther, der immer mein großes Vorbild war und es auch noch immer ist, selber so viel Druck macht, denn er ist noch nicht in der Form, in der er vor seinem Achillessehnenriss war."

Mühlviertler geht ohne Druck ins Rennen
Der Mühlviertler, der wie Weidlinger von seinem Vater trainiert wird, kann dagegen vollkommen ohne Druck ins Finale gehen. "Ich habe nichts zu verlieren, weil ich ja mit dem Aufstieg in den Endlauf mein großes Ziel bereits erreicht habe. Aber natürlich wäre ein einstelliges Ergebnis super. Ich werde jedenfalls wie immer kämpfen bis zum Umfallen." Besonders freut er sich auf das erste Duell mit Weidlinger seit den Staatsmeisterschaften im Juli 1999. "Das ist natürlich noch mehr Ansporn für mich."

Frauen-Marathon mit Dagmar Rabensteiner
Fedjuschina hat sich ebenfalls ein einstelliges EM-Ergebnis zum Ziel gesetzt, nachdem nur 15 Frauen für das Kugelstoßen genannt haben und deshalb der Vorkampf entfallen ist. Und Marathonläuferin Dagmar Rabensteiner muss am vorletzten EM-Tag vier Runden durch die Münchner City bewältigen, will sie doch das Rennen über 42,195 km auf jeden Fall beenden. Der Startschuss für das maximal 27 Teilnehmerinnen umfassende Feld mit lediglich vier Teams, die um den Mannschafts-Europacup konkurrieren, fällt um 11.45 Uhr vor der Oper am Max-Joseph-Platz.

Jackson vierfacher Serien-Europameister?
Aus internationaler Sicht konzentriert sich das Interesse vor allem auf den Waliser Colin Jackson, der am Samstag mit Gold im Hürdensprint (17.00) als erster vierfacher Serien-Europameister in einer Laufdisziplin in die EM-Geschichte eingehen will, sowie das Gipfeltreffen über 800 m der Männer. Der dänische Weltrekordler Wilson Kipketer möchte sich in München für sein EM-Debakel vor vier Jahren in Budapest revanchieren und Hallen-Europameister Pawel Czapiewski aus Polen, den Schweizer Weltmeister Andre Bucher sowie Titelverteidiger, Olympiasieger und Lokalmatador Nils Schumann die Fersen zeigen.

9.8.2002 11:37