Freitag, 9. August 2002

Geldsorgen vor Start in Europas Topligen

  • Italien, Spanien, Deutschland & England mit Problemen

Nicht nur in Österreich wird das Fußball-Geschehen durch Finanzkrisen geprägt. Kurz vor Start der wichtigsten europäischen Meisterschaften werfen selbst in "Schlaraffenländern" wie Italien, Spanien, Deutschland oder England geringer werdende Kontostände ihre Schatten. Eine ungewisse Zukunft bezüglich TV-Einnahmen hat allen Beteiligten plötzlich vor Augen geführt, wie teilweise unrealistisch hoch die Gehälter vieler Akteure waren und sind. Im Vergleich zu den Jahren zuvor herrschte daher am Transfermarkt logischerweise lediglich ein laues Lüftchen, ablösefreie Spieler mit angemessenen Gehaltsforderungen sind gefragt.

Besonders dramatisch ist die Lage in der italienischen Serie A, wo mehrere Klubs (u.a. die Römer Großklubs AS und Lazio) vom Lizenzentzug bedroht waren. Rund einen Monat vor Start der Meisterschaft am 1. September wurden Zahlen veröffentlicht, wonach die italienischen Erstligisten allein im Laufe der Saison 2000/2001 Verluste in der Größenordnung von 702 Millionen Euro gebaut haben sollen. Selbst das hochbezahlte Inter-Mailand-Trio Ronaldo, Alvaro Recoba und Christian Vieri, die drei Topverdiener der gesamten Liga, bot darauf dem Arbeitgeber eine Gehaltskürzung an. Dem ehemaligen Manninger-Klub Fiorentina, drohte überhaupt das endgültige Aus.

Armut in den britischen Unterklassen
"Das Auto ist gegen die Wand geprallt", brachte es Arsene Wenger vor dem Saisonstart in England am 17. August auf den Punkt. Der Trainer vom englischen Double-Gewinner Arsenal London bezeichnete die finanzielle Lage im europäischen Fußball als "desaströs". Manchester United konnte diese Tatsache aber nicht davon abhalten, den Verteidiger Rio Ferdinand für die diesjährige, europäische Rekordsumme von 30 Millionen Pfund (47,9 Millionen Euro) zu verpflichten. In den britischen Unterklassen, in denen bis weit hinunter Profibetrieb herrscht, brach hingegen durch den Kollaps des Fernsehsenders ITV Digital die relative Armut aus.

Keine Neuzugänge bei Real und Valencia
In der spanischen Primera Division, die als die derzeit beste Liga Europas gilt, herrschte in der Transferzeit ebenfalls die große Ungewissheit, wie weit man auf TV-Gelder hoffen kann. Champions-League-Sieger Real Madrid und Meister Valencia verzichteten überhaupt auf Neuzugänge, während sich der FC Barcelona vom Großverdiener Rivaldo (10 Millionen Euro Gehalt) trennte und den Brasilianer an den AC Milan abgab. Lediglich Aufsteiger Atletico Madrid schwimmt in Spanien gegen den Strom und verpflichtete sechs Neue, unter ihnen Javi Moreno von Milan. Trotz der allgemeinen Zurückhaltung dürfte mit Saisonstart am 31. August wieder mit berauschendem Fußball aus der spanischen Liga zu rechnen sein.

Umdenken auch in Deutschland
In der Deutschen Bundesliga hieß der Großeinkäufer einmal mehr Bayern München, so wurden Michael Ballack, Ze Roberto und Sebastian Deisler neu verpflichtet. Die Topteams verzeichneten zwar durch den zweiten WM-Rang der Nationalmannschaft einen Anstieg der Abo-Verkäufe, der Niedergang der KirchGruppe führte aber auch in Deutschland zum Umdenken.

9.8.2002 10:44