Freitag, 9. August 2002

Weltrekordler Sebrle und Ceplak souverän zu EM-Gold

  • Holmes sorgte für Doping-Gerüchte um Ceplak
  • Erstes Gold für Deutschland durch Schultz

Roman Sebrle hat sich am Donnerstagabend zum "König" der 18. Leichtathletik-Europameisterschaften in München gekrönt. Vor 48.500 Zuschauernhat der Tscheche in souveräner Manier seinen ersten großen Freiluft-Titel fixiert. Der einzige "Neuntausender" der Welt verfehlte im Zehnkampf den EM-Rekord mit 8.800 Punkten nur um elf Zähler und lag damit am Ende klar vor dem estnischen Olympiasieger Erki Nool (8.438) sowie dem Russen Lew Lobodin (8.390).

Weltmeister Tomas Dvorak aus Tschechien, der nicht ganz fit angetreten war, gab nach einem Salto Nullo im Stabhochsprung, in dem er drei Mal an 4,30 m scheiterte, nach dem achten Bewerb auf. Österreichs Vertreter Klaus Ambrosch, der trotz verfehlter ÖLV-Norm (7.850) antreten durfte, kam nach einem verpatzten ersten Tag noch mit 7.746 Zählern auf Rang zwölf, verpasste aber das eigentlich geforderte EM-Limit klar um 104 Punkte.

Ceplak gewinnt Graf-Distanz
Mit Hallen-Weltrekordlerin und -Europameisterin Jolanda Ceplak setzte sich in Abwesenheit der nach ihrer Tumoroperation rekonvaleszenten Kärntner Vizeweltmeisterin Stephanie Graf über 800 m ebenfalls die haushohe Favoritin durch. Die 25-jährige Slowenin, die am 19. August in Linz im Duell mit Olympiasiegerin Maria Mutola aus Mosambik den 1.000-m-Weltrekord der Russin Swetlana Masterkowa (2:28,98/23.8.1996 Brüssel) attackiert, feierte mit ihrer typischen "Frontrunner-Taktik" in 1:57,65 Minuten vor Mayte Martinez aus Spanien (1:58,86) sowie der Britin Kelly Holmes (1:59,83) einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg.

Holmes sorgte für Doping-Gerüchte
Die Bronzemedaillen-Gewinnerin sorgte mit einem Satz nach dem Endlauf für Wirbel im Lager von Österreichs Topmanager Robert Wagner, der auch Ceplak managt. "Ich bin sauber und fair gelaufen", erklärte die Olympiadritte in einem BBC-Fernseh-Interview und erschien aus Protest nicht zur Pressekonferenz. Ceplak wies diese Doping-Unterstellung, die bereits von Graf nach der Hallen-EM ("Es ist schon seltsam, dass eine Läuferin ihre Bestzeit in einer Saison um fast vier Sekunden in der Halle verbessert") angedeutet worden war, entschieden zurück. Wagner dementierte Gerüchte, dass nach der ÖLV-Rekordlerin ihn auch Holmes als Manager gefeuert habe.

Edwards verpasste Dreisprung-Grand-Slam
Im Gegensatz zu Sebrle und Ceplak verfehlte ein anderer Weltrekordler sein großes EM-Ziel: Der Brite Jonathan Edwards segelte am angepeilten Grand Slam im Dreisprung vorbei. Nach dem Olympiasieg 2000 in Sydney, dem WM-Titel 2001 in Edmonton sowie dem Triumph bei den Commonwealth Games vor eineinhalb Wochen in Manchester musste sich der 36-jährige Titelverteidiger mit 17,32 m nur mit Bronze begnügen. Sein Nachfolger ist sein großer Bewunderer Christian Olsson. Der Schwede siegte mit 17,53 m vor dem deutschen Ex-Weltmeister Charles Friedek (17,33).

Erste Gold-Medaille für Deutschland
Und auch Deutschland durfte dank Ingo Schultz erstmals über Gold bei der Heim-EM jubeln: Der 2,01 m große Bundeswehr-Offizier gewann in 45,14 Sekunden, bei den Frauen war die Russin Olesja Zykina in 50,45 vor der deutschen Titelverteidigerin Gritt Breuer (50,70) die Schnellste. Im spannendsten Rennen des Tages musste das Zielfoto zur Ermittlung des Siegers herangezogen werden: Der Franzose Mehdi Baala setzte sich über 1.500 m in 3:45,25 Minuten um zwei Tausendstel vor dem zeitgleichen Titelverteidiger Reyes Estevez aus Spanien durch. Die Rumänin Ionela Tirlea wiederholte dagegen über 400 m Hürden in 54,95 Sekunden ihren Erfolg von Ungarn.

Frauen-Speerwurf an Mirela Manjani
Im Frauen-Speerwurf unterstrich erneut eine Griechen ihre im Hinblick auf die Olympischen Heimspiele in Athen 2004 ansteigende Form. Mirela Manjani distanzierte mit 67,47 m die Konkurrenz um 3,38 m und mehr. Bei den Hochspringern kürte sich der russische Vizeweltmeister Jaroslaw Rybakow mit 2,31 m zum Europameister im Münchner Olympiastadion, in das bereits an den ersten drei EM-Tagen 154.000 Zuschauer strömten. Da es auch am Wochenende restlos gefüllt sein wird, dürfen die Veranstalter am Ende mit mehr als 300.000 Besuchern rechnen.

Weltbestzeit im 50 km Gehen
Bereits am Vormittag hatte sich der Pole Robert Korzeniowski zum ersten erfolgreichen Titelverteidiger der EM gekrönt, noch dazu in Weltbestzeit. Der 34-jährige Olympiasieger und Weltmeister blieb im 50 km Gehen in 3:36:39 Stunden 47 Sekunden unter der alten Rekordmarke des Russen Waleri Spitzin vom 21. Mai 2000 in Moskau.

9.8.2002 09:34