Sonntag, 11. August 2002

Unruhen nach Paraden der nordirischen Protestanten

  • 13 Polizisten bei Krawallen verletzt

Nach Paraden nordirischer Protestanten ist es in Belfast wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden in der Nacht auf Sonntag 13 Polizisten verletzt, zwei von ihnen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wie die Behörden mitteilten, wurden die Polizisten in dem mehrheitlich katholischen Stadtteil Short Strand angegriffen.

Dort wurden aus einer Gruppe von etwa 200 Menschen fünf Gasbomben über die Polizeiabsperrungen in ein protestantisches Nachbarviertel geworfen.

Zuvor hatten die protestantischen "Apprentice Boys" ihre alljährlichen Paraden abgehalten. In der überwiegend von Katholiken bewohnten Stadt Derry marschierten 15.000 Mitglieder in traditioneller Kleidung durch die Straßen, in Belfast waren es nur etwa 200. Während der Umzüge kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Gegendemonstrationen der Partei Sinn Fein, die der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahe steht, verliefen friedlich.

Die Märsche der Apprentice Boys erinnern an die Belagerung Derrys im Sommer 1689, ein Jahr, bevor Wilhelm von Oranien in der Schlacht am Boyne bei Belfast den katholischen König Jakob II. besiegte. Eine Gruppe protestantischer Lehrlinge (apprentices) hatte damals beim Anmarsch der Katholiken die Stadttore verriegelt. Die katholische Sinn Fein wirft den protestantischen "Apprantice Boys" vor, mit ihren Umzügen Konflikte zwischen den beiden Religionsgruppen zu schüren.

Die Paraden werden immer wieder von Gewalt zwischen pro-britischen und pro-irischen Gruppen überschattet. Zur Eskalation kommt es meist dann, wenn die Marschierer mit Trommeln und Pfeifen durch katholische Wohngebiete ziehen. Im vergangenen Jahr waren mehr als 100 Polizisten verletzt worden. Heuer verlief die Zeit der Umzüge wesentlich ruhiger.

11.8.2002 14:44