Donnerstag, 8. August 2002

Libyen will Verantwortung für Lockerbie übernehmen!

  • Gaddafi arbeitet an Wortlaut der Erklärung
  • Hoffnung auf Ende der Sanktionen und Freundschaft der USA

Libyen will die Verantwortung für den Bombenanschlag auf den PanAm-Jumbo, der 1988 über dem schottischen Lockerbie explodierte, auch offiziell übernehmen und die Angehörigen der 270 Todesopfer entschädigen. Dies teilte der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Mike O'Brien, nach einem dreistündigen Gespräch mit Libyens Revolutionsführer Muammar el Gaddafi vom Mittwochabend im libyschen Sirte mit.

Es war das erste Gespräch auf Regierungsebene zwischen London und Tripolis seit 1983.

"Was die Verantwortlichkeit angeht, so reden wir darüber. Wir wollen dieses Hindernis beseitigen", sagte der libysche Außenminister Abderrahman Mohammed Shalgam einem britischen Fernsehteam. "Und was die Entschädigung angeht: Ja, wir werden auch in dieser Frage etwas tun." O'Brien hatte zuvor mitgeteilt, Gaddafi habe ihm gesagt, Libyen arbeite derzeit an dem genauen Wortlaut der Erklärung, mit dem sich die Regierung zur libyschen Verantwortlichkeit für den Lockerbie-Anschlag bekennt.

Libyen hat bisher noch nie offiziell gestanden, mit dem Anschlag etwas zu tun gehabt haben. Der Libyer Abdelbaset al-Megrahi, ein Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes, ist wegen des Anschlags rechtskräftig verurteilt und verbüßt eine lebenslange Strafe in einem schottischen Gefängnis.

Ende der UN-Sanktionen möglich
Ein Schuldanerkenntnis und die Regelung der Entschädigung würden nach Ansicht britischer Diplomaten den Weg für eine dauerhafte Aufhebung der zunächst nur ausgesetzten UN-Sanktionen gegen Libyen frei machen. O'Brien sagte nach seinem Treffen vom Mittwochabend mit Gaddafi: "Er hat all die richtigen Dinge gesagt. Aber allen Erklärungen müssen Taten folgen, ganz besonders im Bereich der Massenvernichtungswaffen."

Libyen will Freund der USA werden
Außenminister Shalgam sagte, Libyen sei bereit, 20 internationale Konventionen über die Ächtung von Massenvernichtungswaffen einschließlich der Konvention über Chemiewaffen zu unterzeichnen. Libyen sei auch bereit, die Inspektion von Anlagen zu erlauben, in denen der Westen Vorbereitungen für den Bau von Atomwaffen vermutet. "Wir müssen die Beziehungen zu Großbritannien verbessern und wir sind auch sehr an einer Aussöhnung und Normalisierung mit den USA interessiert."

Anfang dieses Jahres hatten britische Zeitungen bereits berichtet, Libyen erwäge für die Familien der Opfer des Lockerbie-Anschlags eine Entschädigungszahlung in Höhe von insgesamt 1,8 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro).
Das ist vor allem deshalb interessant, weil ernste Zweifel an der Verstrickung Libyens bestehen. Ursprünglich wiesen die Spuren nämlich in den Iran. Es war eine politische Entscheidung, Libyen verantwortlich zu machen.

8.8.2002 12:55