Hiroshima gedenkt der Opfer des Atombombenabwurfs
- Koizumi fordert Abschaffung des Nuklearwaffenarsenals
57 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima hat der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi auf einen weltweiten Stopp von Atomwaffentests gedrungen. Seine Regierung werde sich weiterhin für eine internationale Ratifizierung des Vertrages von 1996 einsetzen, sagte Koizumi am Dienstag bei einer Gedenkfeier vor rund 45.000 Menschen im Friedenspark von Hiroshima.
Bürgermeister Tadatoshi Akiba warnte vor der wachsenden Gefahr eines neuen Atomkrieges und kritisierte die Außenpolitik der USA. An US-Präsident George W. Bush appellierte er, keine Nuklearwaffen in neuen Kriegen einzusetzen. "Jetzt, da die Gefahr des Terrorismus real ist, müssen wir als einzige Nation der Welt, die mit dieser Waffe angegriffen wurde, Anstrengungen zu Abschaffung der Atomarsenale unternehmen", sagte Koizumi bei der ersten Hiroshima-Gedenkveranstaltung nach den Terroranschlägen des 11. September.
Japan werde auch in Zukunft keine Atomwaffen auf seinem Boden akzeptieren, betonte Koizumi. In seinem Land würden die Produktion und der Besitz von Nuklearwaffen weiterhin verboten bleiben. Der "Horror von Hiroshima und Nagasaki" dürfe sich niemals wiederholen, sagte der Regierungschef. Japan halte deshalb an seiner dem Frieden verpflichteten Verfassung fest. Vor allem in benachbarten asiatischen Ländern waren in jüngster Zeit nach umstrittenen Äußerungen von Mitgliedern des japanischen Kabinetts Befürchtungen aufgekommen, Japan könnte seine Politik des Verzichts auf Atomwaffen revidieren.
6. August 1945, 8.15 Uhr
Um 08.15 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt, als 1945 ein B-29-Bomber der US-Luftwaffe eine Uranium-135-Bombe ("Little Boy") über der Stadt abwarf, legten die Menschen in Hiroshima eine Schweigeminute ein und gedachten der 200.000 Opfer. Drei Tage nach dem ersten Abwurf über Hiroshima hatte eine weitere US-Bombe in Nagasaki 74.000 Menschen getötet. Der erste Einsatz von Atomwaffen gegen die Zivilbevölkerung Japans markierte den Beginn des Atomzeitalters und führte am 15. August 1945 zur Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg.
Er lade Bush zu einem Besuch nach Hiroshima und Nagasaki ein, sagte Bürgermeister Akiba. Dort könne der US-Präsident persönlich nachvollziehen, "was Atomwaffen mit Menschenleben anrichten". Die Geschichte drohe sich zu wiederholen, warnte Akiba. Gefahr und Möglichkeit eines Einsatzes nuklearer Waffen wüchsen, während die Erinnerung an Hiroshima zu verblassen anfange, sagte er. "Die amerikanische Regierung hat nicht das Recht, dem Rest der Welt eine 'Pax Americana' aufzuzwingen und über das Schicksal des Planeten zu entscheiden", sagte Akiba mit Blick auf den von den USA geführten Kampf gegen den Terrorismus und die Pläne Washingtons, den irakischen Staatschef Saddam Hussein möglicherweise mit militärischer Gewalt zu stürzen.
140.000 Tote vor 57 Jahren
Bei dem Abwurf vor 57 Jahren wurden etwa 140.000 Menschen getötet, rund 80.000 starben später an den Folgen den radioaktiven Strahlung. Jedes Jahr werden weitere Namen am Gedenkstein in Hiroshima hinzugefügt. In diesem Jahr wurden die Namen von 4.977 weiteren Strahlenopfern ergänzt - mittlerweile sind es 226.870.
