Montag, 5. August 2002

SPD setzt ihre Hoffungen zunehmen auf TV-Duelle

  • Schröder könnte das Ruder noch herumreissen
  • Noch sieben Wochen bis zur Wahl am 22. September

Der von schlechten Umfragen gebeutelte SPD-Kanzler könnte es noch schaffen, lautet die aktuelle Botschaft aus der Wahlforschung. Die beiden TV-Duelle mit seinem Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) Ende August und Anfang September böten dem Kanzler - trotz des klar scheinenden Vorsprungs der Union in den Meinungsumfragen - noch gute Chancen, im Wahlkampf das Ruder herumzureißen, sagt Roth.

Schröder gelte weiterhin als der "Sympathischere" und als "Siegertyp" - und im Fernsehen kommt er nach aller Erfahrung besser "rüber" als der sich oft verhaspelnde Stoiber.

Zudem konnte der SPD-Kanzler am Wochenende parteilich und persönlich Positives aus dem Osten hören. Nach einer Umfrage des Leipziger Instituts für Marktforschung liegt seine Partei in den neuen Bundesländern wieder vor der Union - und in den Kanzler-Sympathiewerten führt der Niedersachsen dort 26 Prozentpunkte vor dem Herausforderer aus Bayern. Früher hieß es einmal, die Wahl werde im Osten entschieden.

Aber reichen die TV-Duelle und der sich wieder voll auf Schröder konzentrierende Wahlkampf der Sozialdemokraten noch für einen Umschwung in der Wählergunst für die SPD und ihren Kanzler, die sich kurzfristig auf den "deutschen Weg" gemacht haben und bis zum 22. September davon auch nicht wieder zurückkommen wollen? Der "Strohhalm" Hartz-Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes ist für die Opposition nur ein Strohfeuer. "Hartz-Gequatsche", sagt Stoiber, der sich weiter auffällig häufig eher hinter den Show-Kulissen der Medien-Bühne aufhält. Noch.

Die Probleme der SPD insgesamt bleiben
Auf dem Weg aus dem Stimmungstief lauern Fallen. Nach längeren internen Absprachen muss am Wochenende eine "Spiegel"-Recherche dementiert werden, "General" Franz Müntefering habe die Wahlkampfleitung übernommen und den eher blassen Matthias Machnig ersetzt. Müntefering selbst zieht im Streit mit der "Bild"-Zeitung über die Berichterstattung zur Bonusmeilen-Affäre seine umstrittene Strafanzeige gegen das Blatt zurück. Ein Befreiungsschlag?

Unbeeindruckt davon steckt Schröder weiter mitten im Trainingslager für den TV-Wahlkampf-Showdown. Im ARD-Sommerinterview stellt er am Freitagabend den souveränen Kanzler dar, der sich Kritik an seiner Äußerung vom "eigenen deutschen Weg" verbietet. Knapp 30 Prozent der Wähler gelten als unentschlossen. 83 Prozent halten den Wahlausgang noch für offen, weiß der SPD-Kanzler. Und Müntefering gibt die neue Losung aus: "Noch mal richtig reingrätschen - stürmen, stürmen - in die Mitte flanken und das Ding reinköpfen." Da vorn steht Schröder.

"Deutsche Schalmei"
Für seine Gegner bläst er jetzt lediglich die "deutsche Schalmei", um das Wahlvolk auf seinem Weg durch bundesdeutsche Lande zu benebeln. "Deutschtümelei", schimpft Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP). Und CDU-Chefin Angela Merkel sagt im ZDF "ganz klar, dass der Bundeskanzler an vielen, vielen Stellen versagt hat, dass er jetzt versucht, in einer panischen Aktion noch irgendwas den Menschen zu sagen".

Der Weg zumindest ist für keinen das Ziel. Das ist der Wahlsieg am 22. September. Ganz oben auf der Liste der "Spiegel"-Sachbuch-Bestseller steht das Werk: "Der Weg zum Glück." Autor ist nicht Gerhard Schröder, nicht Edmund Stoiber - sondern der Dalai Lama.

5.8.2002 08:28