Freitag, 9. August 2002

NEWS: Das neue Leben des Peter Rosenstingl

  • Nach jahrelanger Haft startet der FP-Skandalritter wieder durch
  • Plus: Chronologie der Affäre Rosenstingl (Kasten rechts)

Es war ein Skandal der Extra-Klasse: Der ehemalige FP-Politiker Peter Rosenstingl war 1998 plötzlich untergetaucht. In Brasilien. Er hatte bei missglückten Geschäften mit seinem Bruder über 100 Millionen Schilling in den Sand gesetzt - auch FP-Gelder. Nach über zweieinhalb Jahren im Gefängnis startet Rosenstingl seit Adem Sommer 2002 wieder durch: als Buchautor und Wirtschaftsberater.

Im Wiener Prater ist Peter Rosenstingl wieder unter seinesgleichen: "Servas Oida! Erinnerst di nimma – i bin mit dir im Landl eingsperrt gwesn." Begeistert lädt der Standler des Autodroms den prominenten ehemaligen Mithäftling zur Gratisfahrt. 1998 hatte sich Rosenstingl gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Cornelia Gretsch nach Brasilien "abgesetzt". Zurück blieb ein Polit-Skandal der Sonderklasse: Über hundert Millionen Schilling hatte der FP-Politiker im Unternehmen seines Bruders versenkt und
seine Wirtschaftstreuhänderkanzlei damit in den Konkurs manövriert.

Weil sich Rosenstingl auch an FP-Geldern vergreift, wird er aus der Partei ausgeschlossen und vor Gericht zu sieben Jahren Haft verurteilt. Im Februar wird Rosenstingl wegen "Vollzugsuntauglichkeit" entlassen. In NEWS spricht Rosenstingl über sein neues Leben, seine beruflichen Pläne und seinen Polittraum als "Verkehrsminister".

Im NEWS-Interview: "Die Menschen mögen mich"
NEWS: Als Sie beim Lokal hereingekommen sind, haben sich fast alle Gäste umgedreht. Sie scheinen noch immer sehr bekannt zu sein.
Rosenstingl: Das stimmt. Ich werde auch immer wieder auf der Straße angesprochen. Ich habe
das Gefühl, die Menschen mögen mich – ich bin für sie nicht ein Verbrecher, sondern eher der Typ tragischer Held. Obwohl: Viele Leute wissen nicht, wo sich mich zuordnen sollen. Gerade vorhin hat mich einer gefragt, ob ich nicht der aus dem "Kaisermühlen Blues" bin.
Gretsch: Die haben geglaubt, du bist der "Bim-Bim"-Pichowetz (lacht).

NEWS: Sie machen einen gesunden, erholten Eindruck. Gar nicht so wie ein Häftling, der wegen
Vollzugsuntauglichkeit entlassen wurde …
Rosenstingl: Ich habe Angina Pectoris. Die Ärzte waren der Meinung, bei fortgesetzter Haft würde große Gefahr für mich bestehen. Wenn ich mich jetzt in Freiheit aber keinem Stress aussetze, dann bekommt man es in den Griff. In erster Linie mache ich gar nichts, außer mich zu entspannen.

NEWS: Sie waren jahrelang im innersten Kreis der FPÖ und wurden dann fallen gelassen. Haben Sie keine Lust, mal richtig auszupacken?
Rosenstingl: Sagen wir so: Wenn die FPÖ mich in Ruhe lässt, dann lasse ich sie auch in Ruhe.

9.8.2002 13:33