Donnerstag, 8. August 2002

Rechnungshof kritisiert zu hohe Lehrer-Gagen

  • Bezüge von über 100.000 Euro pro Jahr sind zu viel
  • Grüne kündigen Anfragen an, Ministerium will reformieren

Kritik an den Bezügen von Lehrern an den vier Bundesanstalten für Leibeserziehung übt der Rechnungshof (RH) im neuen FORMAT. Dort angestellte Pädagogen hätten sich über Jahre hinweg durch Zulagenregelungen, über Abrechnung von Mehrdienstleistungen und unüberschaubare Privilegien unter anderem Jahres-Spitzengehälter bis zu einer Summe von über 100.000 Euro gesichert.

Bundeslehrer verdienen dagegen im Vergleich kurz vor der Pension rund 70.000 Euro jährlich. Das Bildungsministerium hat bereits eine Reform zugesagt.

An den vier Bundesanstalten für Leibeserziehung in Wien, Graz, Linz und Innsbruck werden die Turnlehrer ausgebildet. Unsportlich war offenbar aber die Vorgangsweise einiger Pädagogen, die zum Teil sogar gegen dienst- und besoldungsrechtliche Bestimmungen verstoßen haben. So wären laut RH die administrativen Nebentätigkeiten hinauf- und die Zeit für den Unterricht hinabgesetzt worden.

Vorteil für die Pädagogen: Wenn dann doch gelehrt wurde, konnten Mehrdienstleistungen abgerechnet und zusätzlich zum Grundgehalt kassiert werden. Zwischen 1996 und 2000 wurden jährlich durchschnittlich rund 261.000 Euro für solche Vergütungen aufgewendet, so der RH. Ein Lehrer muss daher sogar monatlich rund 400 Euro an Wiedergutmachung zurückzahlen. Weiterer Vorwurf: Abteilungsvorstände hätten für Kurse kassiert, die sie gar nicht gehalten haben.

Die Grünen warfen dem Bildungsministerium, das für die Bundesanstalten zuständig ist, vor, seine Kontrollfunktion "sträflich vernachlässigt zu haben". In einer Aussendung kündigte Bildungssprecher Dieter Brosz daher mehrere parlamentarische Anfragen an. Aus dem Ministerium hieß es, dass man bereits Anfang des Jahres die betroffenen Landesschulräte zu einer Prüfung aufgefordert habe. Als Resultat sei etwa auch die genannte Wiedergutmachungszahlung erfolgt. Derzeit prüfe man Reformmöglichkeiten.

8.8.2002 15:13