Mutter-Kind-Pass: 80% der Herzfehler unentdeckt
- Ursache: "Veraltete Geräte"

Alarm schlagen jetzt die Spezialisten für vorgeburtliche Medizin der Landesfrauenklinik in Linz: Bei den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen in Österreich werden 80 Prozent der Herzfehler übersehen. Zwar kann nicht jeder niedergelassene Gynäkologe ein Herz-Spezialist sein. Aber bessere und modernere medizinische Geräte können den Anteil senken.
Der neue Primar für Pränatalmedizin an der Frauenklinik, Wolfgang Arzt, will die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen verbessern.
Herzfehler bei einem von 100
Herzfehler sind die häufigste Fehlbildung bei Ungeborenen, sie treten bei etwa einem Prozent auf. Wenn ein Herzfehler bereits im Mutterleib diagnostiziert werde, so gebe es optimale Überlebens- und Heilungschancen für das Neugeborene.
Höhere Heilungschancen bei Früherkennung
"Wenn man von dem Herzfehler weiß, können alle Vorbereitungen bis hin zur Beiziehung eines Kinderherzchirurgen für ein optimales Geburtsmanagement getroffen werden", so Arzt. Hingegen seien die Chancen für das Neugeborene ungleich geringer, wenn sich erst nach der Geburt plötzlich herausstellt, dass ein Herzfehler vorliegt.
Die "niedrige Entdeckungsrate" von Herzfehlern bei Embryos müsse daher gezielt bekämpft werden: Man müsse den niedergelassenen Gynäkologen entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, "damit sie in einem ersten Schritt zumindest vermehrt Zweifelsfälle an die Spezialisten der Kliniken zuweisen", so Arzt. Es sei sicher nicht einfach, Herzfehler im Mutterleib zu erkennen, "vor allem, wenn auch nicht die entsprechenden Apparate vorhanden sind".
Spezialabteilung in Linz
An der Landesfrauenklinik in Linz wurde mit 1. Juli des heurigen Jahres eine eigene Spezialabteilung für vorgeburtliche Diagnostik und Therapie - in dieser Form neben Wien die zweite in Österreich - eingerichtet. Mit der Leitung wurde Primar Wolfgang Arzt betraut. An der neuen Abteilung werden alle heute gegebenen Möglichkeiten zur Erkennung und Behandlung von Fehlbildungen beim Fötus angewendet, von der Ultraschalldiagnostik über invasive Untersuchungen - beispielsweise Fruchtwasser- oder Mutterkuchenpunktion - bis zu Eingriffen bei Kindern im Mutterleib. Auch Herzoperationen am Fötus werden durchgeführt.
Linzer setzen auf Chromosomen-Untersuchung!
Zugleich wurde eine humangenetische Untersuchungs- und Beratungsstelle an der Landesfrauenklinik in Linz eingerichtet. Sie wird sich auf die Untersuchung von Chromosomen von ungeborenen Kindern bei Risikoschwangerschaften sowie die genetische Beratung spezialisieren.
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