Montag, 5. August 2002

Blut-Skandal: Fünf Österreichern droht Klage in Italien

  • Nachwehen von Plasma-Problematik der achtziger Jahre
  • Viele Patienten mit HIV und Hepatitis infiziert

Die Staatsanwaltschaft von Trient hat die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen fünf Ex-Top-Manager des Österreichischen Instituts für Hämoderivate beantragt. Es geht um Vorwürfe rund um die Problematik mit Virus-kontaminierten Plasma- bzw. Blutprodukten aus den achtziger Jahren.

Die Ermittler werfen den Managern vor, Blutderivate verarbeitet und in Italien verkauft zu haben, die nicht den Sicherheitsstandards entsprachen und daher zur Verbreitung von Aids und Hepatitis beitragen haben sollen. Laut den Staatsanwälten in Trient kann der Tod von 409 Personen wegen Aids sowie die Infizierung von weiteren 924 Menschen mit HIV mit den Blutderivaten in Zusammenhang gebracht werden.

Wie die Anklagevertreter der norditalienischen Stadt mitteilten, fordern sie einen Prozess gegen ein 76-jähriges Wiener Mitglied des Aufsichtsrats des Österreichischen Instituts für Hämoderivate, von 1980 bis 1998 amtierender Produktionsdirektor. Ein Strafverfahren wurde auch für den bis 1997 tätigen technischen Produktionsdirektor des Instituts, einen Klagenfurter, beantragt.

Die Staatsanwaltschaft von Trient will außerdem einen Prozess gegen den 76-jährigen Gründer des Instituts für Hämoderivate führen, das jetzt zur Baxter-Gruppe gehört. Auf der "schwarzen Liste" der italienischen Ermittler stehen außerdem ein bereits 77-jähriger Wiener, bis 1991 technischer Produktionsdirektor des Instituts, und ein 59-Jähriger, der bis 1997 für die Qualitätskontrollen des Instituts verantwortlich war. Es handelt sich dabei ebenfalls um einen Wiener. Ein Prozess wurde auch gegen einen 81-jährigen Züricher, bis 1997 Präsident des Aufsichtsrats des in Pisa beheimateten Unternehmens Immuno Spa, sowie gegen vier italienische Manager des Konzerns beantragt.

Der Skandal um die Blut- bzw. Plasmaproblematik hat in Italien großes Aufsehen erregt. Im Juli hatte das Gericht in Trient die Eröffnung eines Verfahrens gegen zwölf Spitzenmanager des italienischen Pharmakonzerns Marcucci sowie hochrangige Funktionäre des römischen Gesundheitsministeriums beantragt. Der Prozess in Trient wird am 29. November beginnen. Die Ermittlungen waren vor fünf Jahren auf Grund der Anzeigen mehrerer Infizierter eingeleitet worden. Die Staatsanwälte hatten bei ausgedehnten Kontrollen in Norditalien mehrere Blutbeutel beschlagnahmt.

5.8.2002 17:56