Montag, 5. August 2002

Österreicher sehen EU-Erweiterung zunehmend positiv

  • Zustimmung zu Ungarn und Slowenien am höchsten
  • Volksabstimmung über Beitritte wird klar abgelehnt

Die Österreicher beurteilen die Erweiterung der Europäischen Union heute positiver als vor einem Jahr. Die Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft der Nachbarstaaten und Polens stellt laut einer der APA vorliegenden aktuellen Meinungsumfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) eine Minderheitenposition dar. Die größte Zustimmung zeigen die Österreicher unverändert für eine EU-Mitgliedschaft Ungarns. 61 Prozent befürworten sie, nur 16 Prozent lehnen sie dezidiert ab.

Einen ähnlich hohen Wert der Zustimmung kann Slowenien für sich in Österreich verbuchen. 55 Prozent der Befragten begrüßen eine EU-Mitgliedschaft des südlichen Nachbarlandes, 23 Prozent lehnen sie ab. Im Vergleich zum Jahr 1997 bedeutet dies einen Zuwachs von zwölf Prozentpunkten, der stärkste unter den benachbarten Kandidatenstaaten.

Geringer fällt die Zustimmung zu einer EU-Mitgliedschaft der Slowakei (42 Prozent), Tschechiens und Polens (beide 41 Prozent) aus. Einen Beitritt Tschechiens lehnen derzeit 40 Prozent ab, bei Polen äußerten sich 36 Prozent der Befragten ablehnend. 35 Prozent stellten sich negativ zu einem slowakischen EU-Beitritt. Ein Blick auf die Zeitreihe zeigt aber auch für diese Staaten eine steigende Akzeptanz der Österreicher. Die Slowakei verbesserte sich gegenüber 2001 um fünf, Polen um vier und Tschechien um zwei Prozentpunkte.

Die meiste Ablehnung kommt von FP-Wählern
Die geringste Präferenz für EU-Beitritte der genannten Staaten zeigen FPÖ-Anhänger. Der Wert liegt zwischen 18 Prozent für Tschechien und 40 Prozent für Ungarn. Am höchsten ist die Zustimmung unter Sympathisanten der Grünen, bei denen sich je nach Kandidatenland zwischen 64 und 77 Prozent für die Beitritte aussprechen. Bei ÖVP-Anhängern ist die Sympathie für eine EU-Mitgliedschaft Tschechiens seit 1997 deutlich zurückgegangen (von 52 auf 40 Prozent), gestiegen sind dagegen die Sympathien für Slowenien und Polen. Bei SPÖ-Anhängern stieg die Unterstützung für die Slowakei, Slowenien und Polen. Die Einstellungen zu Tschechien liegt mit 40 Prozent Zustimmung seit Jahren konstant.


Die Vorstellung einer Volksabstimmung in Österreich über die EU-Mitgliedschaft der Nachbarstaaten wird von einer Mehrheit von 66 Prozent abgelehnt, 31 Prozent befürworten eine solche Idee. Die Ablehnung einer Volksabstimmung ist bei älteren Menschen und Personen mit höherer Schulbildung am höchsten. Deklarierte FPÖ-Anhänger stehen einer Volksabstimmung am positivsten gegenüber: 58 Prozent von ihnen sprechen sich für, 39 Prozent dagegen aus.

Die im Vergleich zu anderen Nachbarländern stärkere Ablehnung eines EU-Beitritts Tschechiens führt die ÖGfE auf mangelnde Kontaktmöglichkeiten in der Vergangenheit zurück. Nur acht Prozent hätten Tschechiens Zustimmung zu den EU-Sanktionen gegen Österreich als Grund dafür angeführt, dass sie einen Beitritt Prags ablehnten, sagte der frühere Nationalbank-Generaldirektor und Vizepräsident der Gesellschaft, Heinz Kienzl, gegenüber der APA.

Die Telefonumfrage wurde im Juni und Juli in Zusammenarbeit der ÖGfE und der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 1.106 Personen ab 16 Jahren.

5.8.2002 11:07