Montag, 5. August 2002

Polizist bei Schießerei in Graz verletzt

  • Täter nach mehrstündigen Verhandlungen überwältigt

Ein Nachbarschaftsstreit war in der Nacht auf Montag in Graz Auslöser für einen Polizeieinsatz, bei dem ein Beamter angeschossen und schwer verletzt wurde. Der Täter, ein 35-jähriger Arbeitsloser, hatte durch die verschlossene Wohnungstüre auf die einschreitenden Polizisten gefeuert. Einer der beiden Uniformierten erlitt einen Steckschuss im linken Oberschenkel. Der Schütze, der sich mit seiner Mutter in der Wohnung verschanzte, konnte erst nach dreieinhalb Stunden zur Aufgabe überredet werden.

Die Polizei war um 23.20 Uhr in die Karl Morre-Straße im Bezirk Eggenberg gerufen worden, weil Holzscheite durch das geöffnete Fenster einer Parterrewohnung geflogen waren. Als die Beamten den mutmaßlichen Täter, einen 35-jährigen Nachbarn, zur Rede stellen wollten, verriegelte dieser die Tür. Wie der diensthabende Offizier, Johann Gannotz, schilderte, hätten die Beamten mehrmals geklopft und den Mann aufgefordert aufzumachen: "Sie haben sich links und rechts der Wohnungstür aufgestellt, ein Beamter hat mit dem Fuß gegen das Türblatt geklopft. Genau in dem Moment hat der Täter durch die geschlossen Türe gefeuert und einen Beamten in den linken Oberschenkel getroffen."

Der Beamte, Bezirksinspektor Franz G. (43), wurde sofort ins LKH Graz gebracht und operiert. Wie es am Montag hieß, gehe es ihm "den Umständen entsprechend gut".

Nach Stunden ließ sich der Mann widerstandslos festnehmen
In der Folge umstellten Einheiten der Sicherheitswache und der Sondereinheit Cobra das Mehrparteienhaus. Weil sich auch die 69-jährige Mutter des Täters in der Wohnung befand, wurde von der Möglichkeit einer Erstürmung der Wohnung abgesehen. Der Verhandlungsgruppe Süd gelang es, telefonischen Kontakt mit dem Mann herzustellen und ihn schließlich zur Aufgabe zu überreden. Kurz vor 3.00 Uhr ließ sich der Mann widerstandslos festnehmen.

Wie die Erhebungen ergaben, hatte Harald S. mit einem Kleinkalibergewehr Long Rifle 22 geschossen. Die Waffe ist lediglich meldepflichtig. Alkohol oder Drogen dürften nicht im Spiel gewesen sein, erklärte der Leiter der Grazer Kripo, Anton Lehr. Eine detaillierte Einvernahme war für Montag Nachmittag geplant.

Auslöser: Ein umgeworfener Holzstoß
Der 35-Jährige war bei der Behörde bis dato nur durch eine länger zurückliegende gefährliche Drohung angefallen. Diesmal dürfte ihn, so die ersten Aussagen, ein umgeworfener Brennholzstoß im Hof verärgert haben. Er machte die Nachbarin für den Bosheitsakt verantwortlich und war zur Selbstjustiz geschritten, indem er einige Scheite durchs Fenster in ihre Wohnung warf.

5.8.2002 07:32