Freitag, 2. August 2002

AK-Studie: "Stille Reserve" am Arbeitsmarkt wächst!

  • 560.000 Menschen arbeiten nur rund ein Drittel des Jahres
  • Größter Teil der "stillen Reserve" nicht arbeitslos gemeldet

In Österreich gibt es rund 560.000 Menschen, die im Schnitt nur 3 bis 5 Monate des Jahres arbeiten, geht aus einer neue Studie der Arbeiterkammer (AK) hervor. Rechnet man Ferialpraktikanten, Karenzierungen oder junge Arbeitnehmer vor und nach Präsenzdienst - insgesamt rund 150.000 - heraus, bleiben noch rund 410.000, von denen unklar ist, womit sie den Rest der Zeit verbringen. Die meisten sind auch nicht arbeitslos gemeldet und scheinen auch in anderen Statistiken nicht auf.

Angesichts eines Anteils von fast 16 Prozent an den gesamten Beschäftigten (Tendenz steigend) verlangt die Arbeiterkammer nun Maßnahmen um diese "stille Reserve" des Arbeitsmarkts zu mobilisieren, nicht zuletzt weil in den kommenden Jahren Arbeitskräfteknappheit droht.

Großteils Frauen
"Wir wissen wenig über die Soziologie dieser Gruppe", so der Arbeitsmarktexperte der AK, Gernot Mitter. Etwas mehr als die Hälfte der "sonstigen Erwerbsgruppe", wie Studienautor Kai Biehl sie nennt, sind Frauen, bei denen das kurzfristige Auftauchen und Verschwinden auf bzw. aus dem Arbeitsmarkt mit Kinderbetreuung, aber auch rascher Reaktion auf Angebot und Nachfrage erklärt werden könnte. Auch über den Ausbildungsstand der Gruppe lasse sich wenig sagen, so Biehl. Man könne aber nicht generell von minderqualifizierten Menschen sprechen.

Angebote verbessern
Eine mittelfristige Arbeitsmarktpolitik müsste laut Mitter diese "stille Reserve" stärker berücksichtigen. "Diese Menschen brauchen Angebote", so der Experte. Ansatzpunkte, um sie dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu bringen, könnten Qualifikationsmaßnahmen, vor allem aber die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein.

Personenbezogene Analyse
Die AK-Studie geht nicht von den üblichen Arbeitsmarktdaten aus, die auf Stichtagsangaben bzw. dem Jahresdurchschnitt dieser Erhebungen basieren, sondern analysiert diese Daten personenbezogen. Laut gängier Darstellung gab es in Österreich im Jahr 2000 3.064.459 unselbstständig Beschäftigte. Personenbezogen, also umgelegt auf die tatsächlichen Vorgänge am Arbeitsmarkt, waren jedoch 3.615.080 Menschen in dem Berichtsjahr in Arbeitsverhältnissen - wenn auch oft nur kurz.

2.8.2002 12:58