Freitag, 2. August 2002

FORMAT über Karl Wlascheks neues Leben!

  • Am 4. August feiert der Charmeur seinen 85. Geburtstag
  • Seit dem Billa-Verkauf ist Wlaschek den Immobilien verfallen

Der Billa Gründer wird am 4. August 85 Jahre alt. Seinen Geburtstag hat der öffentlichkeitsscheue Charmeur schon seit 1996 nicht mehr groß gefeiert. 1996 landete er auch seinen größten Coup. Er verkaufte seinen Billa-Konzern an die deutsche Rewe und kassierte dafür an die 1,5 Milliarden Euro. Sein neues Hobby: Immobilien!

Vor sechs Jahren hatte Wlaschek in einem Überraschungscoup seinen Billa-Konzern an die deutsche Rewe verkauft und dafür an die 1,5 Milliarden Euro kassiert. Huldigungen ob seines Aufstiegs (vom Sohn eines kleinen Wiener Gaswerkbeamten zum Billa-Merkur-Mondo-Imperator mit 44 Milliarden Schilling Umsatz) setzte es nur von offizieller Seite. Wlaschek heimste alle erdenklichen Ehrenzeichen und -kreuze ein, selbst die „goldene Kröte am grünen Band“ ließ er sich von Naturschützern bereitwillig umhängen. Doch ausgerechnet der Dank vom einfachen Billa-Volk, dem sich der Milliardär stets nahe wähnte, blieb aus. Die einen schickten ihm Drohbriefe, in denen sie „Mister Billa“ den eigennützigen Ausverkauf ans Ausland vorwarfen, die anderen schlicht Bettelbriefe. Grund genug für Wlaschek, der das Bad in der Menge ohnedies nie gemocht hatte, sich noch mehr zurückzuziehen. Selbst seine früheren engsten Mitarbeiter bekommen ihn heute kaum noch zu Gesicht.

Distanz zu Billa
Besonders unterkühlt ist Wlascheks Verhältnis zu seinem beruflichen Ziehsohn, dem Billa- und Rewe-Österreich-Chef,Veit Schalle. Dieser hat seinem Ex-Chef den in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ohne sein Wissen vorbereiteten Verkauf des Konzerns bis heute nicht ganz verziehen. Rewe-Deutschland-Boss Hans Reischl, relativierend: „Wlaschek musste den Verkauf im Alleingang und blitzschnell abhandeln. Alles andere hätte nie zu diesem Ergebnis geführt.“ Die Distanz wird von beiden Seiten gepflegt: Zu seinem 85er haben Wlaschek und seine vierte Frau Karin keinen einzigen der heutigen Rewe-Österreich-Granden geladen. Finanziell sind sie freilich bestens versorgt. Sowohl Schalle als auch sein Co-Vorstand Wolfgang Wimmer, der Wlaschek allweihnachtlich Kekse vorbeizubringen pflegt, kassieren eine jährliche Apanage aus der Wlaschek-Privatstiftung – zumindest solange sie im Unternehmen werken.

Immobilienreich
Wlaschek hat indes einen dicken Schlussstrich unter sein Handelsleben gezogen. Er widmet sich heute ausschließlich seiner großen Leidenschaft, den Immobilien. Einen Großteil seines Spielkapitals, bestehend aus dem schon bis 1996 gemachten Vermögen in der Höhe von rund 700 Millionen Euro sowie den rund 1,5 Milliarden Euro aus dem Billa-Verkauf, hat er inzwischen ertragreich in Prestigeobjekte angelegt.

Wlascheks Aufstieg
Nach dem Krieg verdiente sich der Ex-Chemiestudent und begnadete Charmeur Wlaschek sein erstes Geld als Pianist in Kärntner Hotels. Der Veldener Ex-Hotelier Ulf Mösslacher: „Er war ein toller Entertainer, immer der Mittelpunkt der Bar.“
Wlaschek spart soviel zusammen, dass er, zurück in Wien, ins Papiergeschäft seiner ersten Frau Hilde investieren kann. 1953 eröffnet Wlaschek den ersten „Billigen Laden“ (Billa), sattelt auf Lebensmittel um, eröffnet den ersten Selbstbedienungsmarkt. 1969 ist die erste Umsatzmilliarde (in Schilling) gemacht. Eine Fastpleite später – Wlaschek entkommt dem Würgegriff der Banken nur, indem er seine Immobilien verkauft – strukturiert er seine wild wuchernden Unternehmen in den BML-Konzern um. 1996 verkauft er sein 44-Milliarden-Schilling-Umsatz-Supermarktreich (Billa, Merkur, Mondo, Emma, Bipa) mit 18.000 Mitarbeitern an den deutschen Rewe-Konzern.

2.8.2002 15:55