Donnerstag, 1. August 2002

Bayer: Umsatz- und Ergebnisrückgang

  • Schlechte Zahlen überraschen Analysten
  • Pharmakonzern rechnet mit positivem Jahresergebnis

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002 einen kräftigen Umsatz- und Ergebnisrückgang verbucht. Der Konzern rechnet aber aufgrund von Verkäufen für 2002 ein Ergebnis über Vorjahresniveau zu erreichen.

Das operative Ergebnis vor Sonderposten sei auf 318 Mio. von 536 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum gesunken, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Analysten hatten beim operativen Ergebnis aus dem fortlaufenden Geschäft vor Sonderposten jedoch mit einem Anstieg von 4,1 Prozent gerechnet. Der Umsatz ist den Angaben zufolge auf 7,504 von 8,071 Mrd. Euro zurückgegangen, der Nettogewinn hat sich auf 293 von 564 Mio. Euro reduziert.

Nettoergebnis höher als 2001
Bayer bekräftigte jedoch, 2002 aufgrund von Verkäufen ein Nettoergebnis über Vorjahresniveau zu erwarten. Der neue Vorstandschef des deutschen Bayer-Konzerns, Werner Wenning, will den Chemie- und Pharmariesen im kommenden Jahr auf einen nachhaltigen Wachstumspfad bringen. 2002 sei ein Jahr des Übergangs, erklärte Wenning bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Leverkusen.

Gründe für die momentane Lage
Das anhaltende schwierige wirtschaftliche Umfeld und die Umsatzausfälle durch die Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay im August 2001 hätten das Geschäft stark beeinträchtigt. Hohe Priorität habe im laufenden Jahr die Neuordnung des Konzern und die schnelle Eingliederung von Aventis CropScience. Mit Sparmaßnahmen wolle das Unternehmen in diesem Jahr die Kosten zudem um 500 Mio. Euro senken.

Geschäft in Europa lief schlecht
Im zweiten Quartal (April bis Juni) musste der Bayer-Konzern in seiner bedeutendsten Region Europa deutliche Ertragseinbußen hinnehmen, während sich die Gewinnsituation im zweitwichtigsten Geschäftsgebiet Nordamerika klar verbesserte. Rückläufige Gewinne wurden auch in den beiden kleineren Regionen Fernost/Ozeanien sowie vor allem in Lateinamerika/Afrika/Nahost verzeichnet. Bis auf den asiatisch-pazifischen Raum kam es zudem überall zu Umsatzeinbußen, unter anderem wegen der eingestellten Vermarktung von Lipobay.
In Europa ging der Umsatz nach Sitz der Gesellschaften in den Monaten April bis Juni 2002 von 3,52 auf 3,39 Mrd. Euro zurück, das operative Ergebnis vor Sonderposten schrumpfte auf 149 (510) Mio. Euro. Der Brutto-Cash-Flow sank von 538 auf 455 Mio. Euro. Auch in Nordamerika setzte Bayer mit 2,3 (nach 2,6) Mrd. Euro im zweiten Quartal weniger um. Vor Sonderposten wurde allerdings aus einem Verlust von 64 Mio. Euro im zweiten Quartal 2001 ein positives operatives Ergebnis von 103 Mio. Euro. Auch der Brutto-Cash-Flow stieg auf 239 (58) Mio. Euro. Fernost/Ozeanien wuchs auf 1,049 (1,033) Mrd. Euro, doch gingen Ergebnis (82 nach 97 Mio. Euro) und Cash-Flow (88 nach 103 Mio. Euro) zurück. Stärker fiel der Rückgang in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten aus: Hier sackten das Ergebnis auf 18 (77) Mio. Euro und der Cash-Flow auf 17 (76) Mio. Euro ab. Auch der Umsatz schmälerte sich gegenüber dem zweiten Vierteljahr 2001 auf 529 (601) Mio. Euro.

1.8.2002 09:21