Sommertourismus in Österreich weiterhin Problemkind
- Touristiker befürchten künftig Sommerloch im Juni
- Dennoch Umsatzplus in Sommersaison erwartet

Der Sommertourismus bleibt in Österreich weiterhin ein Problemkind. Um den Wintertourismus müsse man sich "keine großen Sorgen" machen, sagte der Obmann des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, Hans Melcher. Die Sommersaison gestalte sich hingegen - nicht zuletzt wegen der schwachen Konjunktur - weiterhin schwierig. Geradezu ein "Sommerloch" erwarten die Touristiker künftig auf Grund der neuen deutschen Ferienreiseverordnung im Ferienmonat Juli.
Utl.: Touristiker befürchten künftig Sommerloch im Juli Die neue, ab 2003 geltende deutsche Ferienordnung sieht nämlich vor, dass die bevölkerungsreichsten deutschen Bundesländer - Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz - zugleich im August Sommerferien haben. Um das im Juli zu erwartende "Vakuum" zu füllen, müssten die einzelnen Betriebe und die Österreich Werbung neue Gästekreise ansprechen, meint Melcher.
Gäste werden sparsamer
Auf Grund der schlechten Konjunkturlage würden heuer vor allem Gäste aus Deutschland, dem wichtigsten Herkunftsmarkt für Österreich, Urlaub in "Giardinien", sprich im eigenen Garten, machen, berichtet Melcher. Die Urlaube würden außerdem immer kürzer, die Buchungen kurzfristiger und die Gäste vor allem im Sommer sparsamer.
In den vergangenen 8 Jahren habe sich die Aufenthaltsdauer derart verkürzt, dass man die doppelte Gästezahl brauche, um die Betten zu füllen, als früher. Österreich punkte im Sommer zwar bei Familien mit Kindern bis maximal 14 Jahren, aber dann erst wieder bei 30-Jährigen. Allerdings könne man die "Gaudiumstruktur" der klassischen Sonne- und Meerdestinationen nicht auf Österreich umlegen.
Nach einem starken Plus im Mai 2002 und Rückgängen im Juni und voraussichtlich auch im Juli werde im August wieder eine gute Buchungslage erwartet, prognostiziert Melcher. Die endgültige Bilanz der von Mai bis Oktober dauernden Sommersaison hänge davon ab, ob der Bergtourismus im September und Oktober positiv verlaufe. Insgesamt rechnet Melcher aber mit einem 3- bis 4-prozentigem Umsatzplus in der Sommersaison 2002.
Probleme bereiten den Touristikern daher nicht so sehr die volkswirtschaftlichen Umstände, sondern vielmehr die betriebswirtschaftliche Situation der Betriebe. "Die Mitarbeiterkosten explodieren, die Betriebe haben Probleme mit der Nachfolgesicherung und künftig mit Basel II", so Melcher. Ein Grund für die steigenden Lohnnebenkosten seien die heuer um ein Drittel gestiegenen Krankenstände.
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