Dienstag, 30. Juli 2002

Einbußen: VW korrigiert Gewinnprognose nach unten

  • Absatz brach in den ersten sechs Monaten um 8,4 Prozent ein
  • Ergebnis vor Steuern sank um 4,1 Prozent

Der deutsche Autokonzern Volkswagen hat nach Umsatz- und Ergebniseinbußen im ersten Halbjahr seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um rund zehn Prozent gesenkt. Der Konzern wird aber auch die Absatzschwelle von weltweit fünf Mio. Fahrzeugen in diesem Jahr nicht erreichen.

Die anhaltende Konjunkturschwäche bremst VW weiter aus und zwingt die Wolfsburger zu einer Gewinnkorrektur. Umsatzminus und Ergebnisrückgänge in den ersten sechs Monaten 2002 sowie ausbleibende Impulse für die zweite Jahreshälfte ließen den Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder von seiner bisherigen Prognose von 4,4 Mrd. Euro Vorsteuergebnis abrücken. Als neues Ziel gab er 4 Mrd. Euro aus. "Das ist der zweitbeste Wert der Konzerngeschichte", betonte ein VW-Sprecher.

Für die Korrektur machte der VW-Vorstand die Konjunkturschwäche verantwortlich: "Unsere bisherige Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2002 stand unter der Prämisse, dass sich die Konjunktur in den USA und in Westeuropa in der zweiten Jahreshälfte belebt. Das ist insbesondere in Westeuropa nicht erkennbar. Zudem hat sich der Wechselkurs des Dollar für unser Exportgeschäft belastend entwickelt." Der Dollar hatte in den vergangenen Wochen um rund zehn Prozent verloren und liegt jetzt auf Euro-Höhe. Mit 72,7 Prozent erzielt der Konzern den Großteil seiner Umsätze im Ausland.

Börse unbeeindruckt
Die Börse blieb von den Halbjahreszahlen weitgehend unbeeindruckt. Nach einem Plus von mehr als 9 Prozent am Vortag legte die VW-Aktie am Dienstagvormittag in einem insgesamt schwächeren Markt um 0,54 Prozent auf 44,89 Euro zu. Die von VW genannten Daten lagen weitgehend in dem von Analysten erwarteten Rahmen.

Nach den am Dienstag vorgelegten Zahlen brach der Absatz in den ersten sechs Monaten um von 8,4 Prozent auf 2,495 Mill. Fahrzeuge ein. Der Umsatz ging dabei mit 3,2 Prozent weniger stark auf 44,06 Mrd. Euro zurück. Das Ergebnis vor Steuern sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 2,26 Mrd. Euro. Beim Reingewinn gab es ein Minus von 3,5 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro. Weltweit lieferte der Konzern 2,514 Mill. Fahrzeuge aus und damit 5,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil bei den Neuzulassungen ging von 12,3 auf 11,9 Prozent zurück.

VW reagierte auf die anhaltende Marktschwäche mit einer Produktionskürzung um 7,9 Prozent auf 2,55 Mill. Fahrzeuge. Die Inlandsproduktion lag nahezu unverändert bei 35,9 Prozent. Anders als in früheren Schwächephasen konnten starke Auslieferungseinbrüche in Südamerika/Südafrika mit 17,2 Prozent und in Europa mit 7,7 Prozent nicht durch Zugewinne von 17,3 Prozent in Asien-Pazifik und ein leichtes Plus von 1,6 Prozent in Nordamerika kompensiert werden. Zur Absatzstützung steigerte das Unternehmen seine Vertriebskosten um 149 Mill. Euro auf 3,64 Mrd. Euro. Der Konzern habe sich "an den im Markt üblichen Verkaufsförderungsprogrammen vergleichsweise zurückhaltend beteiligt", hieß es.

Konzernsprecher Kurt Rippholz wies darauf hin, dass die Zahlen des zweiten Quartals deutlich besser ausgefallen seien als in den ersten drei Monaten. Positiv hätten sich die weiter greifenden Kostensenkungsprogramme ausgewirkt, die die Bruttomarge um 1,1 Punkte auf 15,2 Prozent verbessert hätten. Starke Ergebnisstütze bleibt der Bereich Finanzdienstleistungen. Allerdings konnte das von 331 auf 377 Mill. Euro verbesserte Vorsteuerergebnis den von 2,03 auf 1,89 Mrd. Euro gesunkenen Wert der Autosparten nicht ausgleichen.

30.7.2002 10:18