Sonntag, 4. August 2002

Pjöngjang & Seoul über Dialog auf Ministerebene einig

  • Treffen soll Mitte August in Seoul stattfinden

Südkorea und Nordkorea haben ihren Annäherungsprozess wieder in Gang gebracht. Zum Abschluss dreitägiger Vorgespräche an der nordkoreanischen Ostküste verkündeten beide Seiten am Sonntag, bereits in der nächsten Woche wieder ranghohe Gespräche auf Regierungsebene führen zu wollen. Auch sagte Nordkorea die vom Süden lange erbetene Teilnahme an den Asien-Spielen im September zu. Dagegen blieb in einer gemeinsamen Erklärung die Schuldfrage im Zusammenhang mit dem innerkoreanischen Seegefecht vor fünf Wochen unerwähnt.

Die siebente Ministerrunde seit dem ersten Nord-Süd-Gipfeltreffen vor zwei Jahren soll vom 12. bis 14. August in Seoul stattfinden. Es wäre das erste derartige Treffen seit dem vergangenen November, als die Gespräche ohne Ergebnis abgebrochen wurden. Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten wurden zusätzlich durch Spannungen zwischen Pjöngjang und Washington belastet. Das kommunistische Nordkorea hatte zuletzt auch wieder seine Bereitschaft zum Dialog mit den USA bekundet.

Bei dem Ministertreffen soll die Verwirklichung bereits vereinbarter Kooperationsprojekte besprochen werden, wie die Wiederherstellung einer Nord-Süd-Eisenbahn, die Einrichtung eines Industriekomplexes im kommunistischen Norden und weitere Familienzusammenführungen. Auch soll die Aufnahme von militärischen Entspannungsgesprächen auf die Tagesordnung kommen.

Bei den Vorgesprächen seien weit bessere Ergebnisse erzielt worden als erwartet, sagte der südkoreanische Delegationsleiter Rhee Bong Jo. Er hob vor allem Nordkoreas Zusage für die Asien-Spielen im südkoreanischen Busan (29. September bis 14. Oktober) hervor. "Es wird dazu beitragen, den Geist der Versöhnung und Kooperation zu fördern." Es wäre das erste Mal, dass Nordkorea an einem derartigen sportlichen Großereignis in Südkorea teilnimmt. Bereits in den kommenden Tagen könnte eine Vereinbarung über ein gemeinsames Fußballspiel am 8. September folgen.

Auf eine neue Ministerrunde und Vorgespräche dazu hatten sich beide Seiten in der vergangenen Woche geeinigt. Nordkorea hatte zuvor mit einer Äußerung des Bedauerns über das Seegefecht vom 29. Juni im Gelben Meer den Weg für neue Gespräche eröffnet. Südkorea hatte dies praktisch als Entschuldigung aufgefasst, verlangte allerdings am Samstag weiter eine ausdrückliche Entschuldigung von Nordkorea.

Das Treffen vom Wochenende war das erste seit rund neun Monaten. Der kommunistische Norden hatte sich nach dem 11. September von den Gesprächen zurückgezogen. Die koreanische Halbinsel ist seit dem Ende des Koreakriegs 1953 geteilt. Formell befinden sich die beiden Nachbarländer bis heute im Kriegszustand.

4.8.2002 07:54