Donnerstag, 1. August 2002

Deutschland: Prozessbeginn gegen Sadisten-Paar

  • Anklage: Bestialischer Mord an zwei 16-jährigen Mädchen
  • Socken war entscheidendes Beweisstück

Es war ein bestialischer Mord an zwei 16-Jährigen: Im Oktober 1994 soll ein Ehepaar aus Limburg (Hessen) die Mädchen aus Limburg (Hessen) grausam gequält und mit einer Überdosis Chloroform getötet haben. Ab 7. August - knapp sieben Jahre nach dem Sexualmord - müssen sich die Eheleute deswegen vor dem Limburger Landgericht verantworten. Die Polizei war dem Mann im September vergangenen Jahres auf die Schliche gekommen. Ein Socken war das entscheidende Beweisstück.

Der heute 42-Jährige hatte damals als etwa 300ster von 1.098 Männern eine Speichelprobe abgegeben. Sein "genetischer Fingerabdruck" stimmte zweifelsfrei mit DNA-Spuren an dem Strumpf überein, den die Polizei in der Kniekehle eines der getöteten Mädchen entdeckt hatte. Die Anklage wirft den Ehepartnern gemeinschaftlichen Mord "zur Befriedigung des Geschlechtstriebs" vor.

Weitere Misshandlungen von Kindern?
Die Schwurgerichtskammer muss außerdem sieben weitere Anklagepunkte klären: Das Paar soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die drei Kinder der Frau aus ihrer ersten Ehe sowie "lose Disco-Bekanntschaften" ebenfalls sexuell misshandelt haben. "Zu Tausenden" hätten Beamte auch kinder- und gewaltpornografische Bilder auf dem Computer des Angeklagten gefunden, berichtet ein Sprecher der Limburger Staatsanwaltschaft.

Gericht und Verteidigung rechnen daher mit einem langwierigen Prozess: 19 Verhandlungstage bis zum 20. Dezember sind vorerst angesetzt. Laut Gerichtssprecher Joachim Stahl stapeln sich die Anklageakten in 13 Kisten. Die 44 Seiten starke Anklageschrift führt 13 Zeugen auf - darunter auch die Kinder der Angeklagten.

Abartig: Mädchen betäubt und brutal misshandelt
Die ermordeten Mädchen Jasmin und Yvonne waren zuletzt am 9. Oktober 1994 lebend gesehen worden, als sie die Discothek "Anyway" in Elz bei Limburg verließen. Auf dem Parkplatz soll die Ehefrau die beiden Jugendlichen angesprochen und ihnen angeboten haben, sie mitzunehmen. Bereits vor der Abfahrt und auch während der Fahrt sollen die Mädchen mehrmals mit Chloroform betäubt und sadistisch gequält worden sein. Die unbekleideten und in Postsäcke verpackten Leichen hatten Waldarbeiter zwei Tage später im benachbarten Lahn- Dill-Kreis entdeckt.

Bekennen sich die Angeklagten schuldig?
Kurz nach seiner Festnahme im September 2001 hatte der Angeklagte, der als Maurer arbeitete, ein Geständnis abgelegt. "Ich habe es jahrelang mit mir herumgetragen und auf euch gewartet", soll er den Beamten bei seiner Vernehmung gesagt haben. Ob der 42-Jährige sein Geständnis vor Gericht wiederholen wird, sei "noch sehr offen", so Verteidiger Manfred Döring. "Mein Mandant strebt sowieso an, dass der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wird."

Auch die Pflichtverteidigerin der 43 Jahre alten Ehefrau, Jutta Cromm, hüllt sich über ihre Strategie im Prozess noch in Schweigen. Die Angeklagte, die zunächst nur der Beihilfe beschuldigt worden war, hatte nur wenige Tage nach ihrem Mann gestanden: Sie habe von seinen Plänen gewusst und ihm geholfen, die Mädchen zu betäuben und zu verschleppen. Seit Mitte September 2001 sitzt das Paar in Untersuchungshaft.

1.8.2002 09:38