Mittwoch, 31. Juli 2002

US-Regierung plant für Ausland Imagepflege-Behörde

  • Nicht-Amerikaner bezeichnen USA als arrogant und heuchlerisch
  • Imageprobleme im Nahen Osten und in Europa

"Arrogant", "Heuchlerisch"... Das sind die Eigenschaften, die Nicht-Amerikanern zu Amerika einfallen! Vor allem der Nahe Osten und Europa sind Hochburgen der US-Gegner. Das wird jetzt anders. Das Minus-Image soll verbessert werden. Auch eine eigene US-Behörde wird geschaffen: Das "Büro für Globale Kommunikation" soll Arbeiten verschiedener Einrichtungen des US-Außenministeriums und anderer Behörden koordinieren. Zielvorgabe: Erklären, "was Amerika ausmacht und warum Amerika tut, was es tut".

In US-Regierungskreisen hieß es, der Nahe Osten und Europa seien zwei Gebiete, in denen die USA ein Image-Problem hätten. Moslems seien der Ansicht, dass die USA pro-israelisch seien und nicht vertrauenswürdig. Viele Europäer seien entsetzt über die US-Außenpolitik, die ihrer Meinung nach im Alleingang durchgesetzt wird.

Arrogant, heuchlerisch und egozentrisch
"Überall auf der Welt, von Westeuropa bis in den fernen Osten, betrachten viele die USA als arrogant, heuchlerisch, egozentrisch, maßlos und geringschätzig anderen gegenüber," hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht einer Kommission, die das Image-Problem der USA untersucht hatte.

Shibley Telhami, einer der Autoren des Berichtes, sagte die Eröffnung eines Büros für globale Kommunikation sollte helfen. "Obwohl die USA weiterhin weltweit sehr mächtig bleiben, ist es ganz klar, dass die USA die öffentliche Meinung in einer Ära der Globalisierung nicht länger ignorieren können."

Das US-Präsidialamt teilte mit, die neue Behörde bedeute keine Wiederbelebung des strategischen Informationsbüros des Verteidigungsministeriums, das im Februar kurzfristig eingerichtet worden war. Es wurde kurz darauf wieder geschlossen, nachdem Medien berichtet hatten, es sollten damit gezielt falsche Informationen zur Unterstützung der US-Verteidigungspolitik gestreut werden.

Vielmehr solle die neue Behörde aus einem bisher vorläufigen Informationszentrum hervorgehen, das im Rahmen des von den USA ausgerufenen Kampfs gegen den internationalen Terrorismus ins Leben gerufen wurde, hieß es. Das "Büro für globale Kommunikation" werde an das Präsidialamt angegliedert und mit dem Büro für allgemeine Diplomatie des US-Außenministeriums zusammenarbeiten. Die Behörde geht auf eine Idee der Bush-Beraterin Karen Hughes zurück und soll bis zum Herbst voll arbeitsfähig sein.

Nach der Einleitung ihrer Offensive in Afghanistan hatten die USA das "Informationszentrum der Koalition" mit Außenstellen in London und der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eingerichtet. Ziel war es, das militärische Vorgehen der Allianz gegen den Terrorismus mit gezielten Informationen zu unterstützen.

31.7.2002 08:01