Dienstag, 30. Juli 2002

Mönche bei Grabeskirche in Jerusalem prügelten sich

  • Elf zum Teil schwer verletzte Geistliche
  • Kampf mit Fäusten, Metallstöcken und Sesseln

In Jerusalem haben zwei christliche Ordensgemeinschaften ihren Streit um die Zuständigkeit für das Dach der Grabeskirche handgreiflich ausgetragen. Elf Mönche wurden mit teils schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Das israelische Religionsministerium bot an, in dem Konflikt zu vermitteln.

"Sie versuchen uns zu vertreiben", warf ein äthiopischer Mönch am Montag den ägyptischen Kontrahenten vor. Die Äthiopier hätten einen ägyptischen Mönch drangsaliert, sagte Vater Afrajim aus dem benachbarten koptischen Kloster. Wer am Sonntag schließlich auf dem Dach den ersten Stein warf, blieb unklar.

Fäuste, Metallstöcke und Sessel
Ihren Kampf trugen die Mönche mit Fäusten, Metallstöcken und Stühlen aus. Ein Mann war Angaben der äthiopischen Mönche zufolge auch ein Tag nach dem Tumult noch nicht wieder bei Bewusstsein.

Anlass: Ägypter stellte Sessel in den Schatten
Anlass der Handgreiflichkeiten war offenbar, dass an einem heißen Tag ein ägyptischer Mönch seinen Stuhl aus der Sonne in den Schatten gerückt hatte. Mit seiner Anwesenheit behauptete der Mönch den Anspruch der Kopten auf das Dach, die es 1970 großenteils an die äthiopische Gemeinschaft verloren hatten. Beide Ordensgemeinschaften wachen eifersüchtig darüber, dass keiner seinen Anspruch auf das Dach weiter festigt.

Jahrhundertealter Streit
Der Streit zwischen den beiden Orden reicht Jahrhunderte zurück. Im Jahr 1757 erließ das damals über Jerusalem herrschende Osmanische Reich ein Statut, das die Ansprüche von sechs christlichen Gemeinschaften auf das Gotteshaus über dem angeblichen Grab ihres Religionsstifters Jesus Christus regelte. Jeder Gemeinschaft wurden verschiedene Bereiche der Kirche zugewiesen. Kopten und äthiopische Christen erheben beide Anspruch auf das weitläufige Dach.

30.7.2002 09:08