Montag, 29. Juli 2002

EU: Europa wächst zusammen - 13 neue Kandidaten

  • Ab heute wieder Verhandlungen zu Erweiterung in Brüssel
  • PLUS: Von Polen bis Malta - alle Kandidaten im Porträt!

Die EU soll wachsen. 13 potentiellen Kandidaten wollen dem Staatenbündnis beitreten. Schon 2004 soll der Beitritt von 10 Ländern abgeschlossen sein. Die Bevölkerung im EU-Raum würde dadurch auf 450 Millionen Menschen anwachsen. Rund die Hälfte der Bürger sind für die Erweiterung. Für die Teilnahme an der Währungsunion und dem Schengen-System müssen zusätzliche Bedingungen erfüllt werden. Ab heute wird in Brüssel auf Diplomatenebene wieder verhandelt.

Die Europäische Union bereitet sich langfristig auf die Aufnahme 13 neuer Staaten vor. Die Beitrittsverhandlungen mit Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Zypern sollen bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Bis 2004 sollen diese zehn Staaten Mitglied der Union sein. Rumänien und Bulgarien liegen in den Verhandlungen zurück, ein Beitritt wird nicht vor 2007 erwartet. Die Türkei ist ebenfalls Beitrittskandidat, mit ihr haben die Verhandlungen aber noch nicht einmal begonnen.

Mit dem für 2004 erwarteten Beitritt der zehn am weitesten fortgeschrittenen Staaten wächst die Bevölkerung der EU auf rund 450 Millionen Menschen. Das mit Abstand größte neue Mitgliedsland wird Polen mit fast 39 Millionen Menschen sein, was ungefähr der Bevölkerung Spaniens entspricht. Das kleinste Land ist Malta mit einer Bevölkerung von 400.000 Menschen, in etwa so viel wie in Luxemburg.

Eine Mehrheit der EU-Bürger ist grundsätzlich für die Erweiterung. In einer Umfrage vom Mai sprachen sich 44% dafür aus, dass der EU weitere Staaten beitreten sollten. 21% waren der Ansicht, die Union solle alle Länder aufnehmen, die beitreten wollten. Nur 14% erklärten, die EU solle keine weiteren Staaten aufnehmen.

Mit ihrem Beitritt sind die zehn Staaten zunächst Mitglied der Europäischen Union. Dies bedeutet nicht, dass sie automatisch auch an der Währungsunion teilnehmen und den Euro einführen können. Dazu müssen sie zunächst zwei Jahre am Europäischen Wechselkurssystem teilnehmen, um die Stabilität der eigenen Währung unter Beweis zu stellen. Im Anschluss daran muss ein Land die drei Maastricht-Kriterien erfüllen, bevor es den Euro einführen kann.

Auch am Schengen-System, das die Grenzkontrollen zwischen EU-Staaten aufhebt, sind die neuen Mitglieder nicht automatisch beteiligt. Mit Ausnahme von Tschechien und den Inselstaaten Malta und Zypern bilden alle künftigen Mitglieder der Union eine neue EU-Außengrenze.

29.7.2002 13:22