Mittwoch, 31. Juli 2002

Prager Umweltminister will "atomaren Schlusspunkt"

  • Ambrozek: "Temelin soll das aber nicht mehr betreffen"

Der tschechische Umweltminister Libor Ambrozek fordert einen "atomaren Schlusspunkt" für die tschechische Energieindustrie! Das würde bedeuten, dass künftig keine neuen Atomkraftwerke mehr in Tschechien gebaut werden. Das bestehende Atomkraftwerk Temelin soll dies aber nicht mehr betreffen.

Diese Bestimmungen will Ambrozek nach eigenen Worten in der Regierungserklärung durchsetzen, mit der sich das Kabinett von Ministerpräsident Vladimir Spidla nächste Woche dem Abgeordnetenhaus stellen will, berichteten die tschechischen Zeitungen.

Temelín wurde schon entschieden
"Temelin soll das nicht mehr betreffen, in dieser Sache wurde schon entschieden. Es geht aber darum, dass die Regierung das atomare Programm nicht mehr fortsetzt", sagte Ambrozek gegenüber dem Blatt "Pravo". Im Prinzip bedeute das, keine neuen Atomkraftwerke aufzubauen, weil dies "nicht ganz ideale Weise der Stromproduktion" sei. "Wir wollen von der Konzeption der dauerhaft haltbaren Entwicklung ausgehen. Das bedeutet, die Ausnutzung jener Quellen zu unterstützen, die man erneuern kann, also Wasser, Luft und Biomasse", meinte der Minister in Anspielung auf Erwägungen, dass Tschechien künftig ein weiteres Atomkraftwerk aufbauen müsse. Vor allem der ehemalige Industrieminister Miroslav Gregr setzte sich dafür ein.

Mit Temelín "abgefunden"
In einem Interview mit der Zeitung "Lidove noviny" vor zwei Wochen hatte Ambrozek Temelin ansonsten als eine "sichere Anlage" verteidigt, wovon er auch die Österreicher überzeugen wolle. Er habe sich mit der Existenz Temelins "schon abgefunden", hatte Ambrozek erklärt.

Im zweiten Temelin-Block werden die Reparaturen im Rahmen einer sechswöchigen Pause fortgesetzt. Es werden Montagearbeiten im Turbinenteil des Blocks durchgeführt. Die Temperatur im Block werde mit Hilfe einer der vier Hauptzirkulationspumpen bei 105 Grad gehalten. Der erste Reaktorblock laufe auf voller Leistung und liefere etwa 1.000 Megawatt Strom ans Netz, hieß es.

31.7.2002 11:35