Dienstag, 30. Juli 2002

"Priesterinnen" nun auch mit Trauungen beschäftigt

  • Katholische Kirche ist entsetzt und droht den Damen weiter
  • ABSTIMMEN: Priesterinnen in der katholischen Kirche?

Nach außen ist es in den vergangenen Wochen um die sieben katholischen "Priesterinnen", die sich am 29. Juni auf einem Donauschiff bei Passau "weihen" ließen, ruhiger geworden. Die "Priesterinnen" selbst sind aber gestresst: Denn aus dem gesamten deutschen Sprachraum kommen zahlreiche Anfragen von Paaren, die sich von einer der Frauen trauen lassen wollen. Die Amtskirche ist entsetzt.

"Wir sind von der Nachfrage völlig überrascht, damit haben wir nicht gerechnet, aber es ist sehr schön", so die "Priesterin" Christine Mayr-Lumetzberger. Die "Priesterinnen" hatten zwar erwartet, zu Taufen oder zur Feier der Eucharistie eingeladen zu werden, dass sie aber mit Trauungen alle Hände voll zu tun haben würden, damit habe man nicht gerechnet. "Vor allem Leute, die in Distanz zur Kirche stehen, die keinen Kontakt zu einer Pfarre haben, Kritische und Suchende sind es, die sich an uns wenden, weil sie kirchlich heiraten wollen", so Mayr-Lumetzberger, die selbst schon mehrere Trauungen gehalten hat.

Die "Priesterinnen" halten die Trauungen gemäß dem Ritus der römisch-katholischen Kirche ab, verbunden mit einem Segnungsgottesdienst. "Einen kirchlichen Trauschein stelle ich nicht aus, das ist für die Leute aber auch nicht wichtig, wer will, bekommt jedoch eine Bestätigung", erzählt Mayr-Lumetzberger. Die "Orte" der Trauungen seien gerade in diesen Fällen oft sehr unterschiedlich, nicht selten im Freien, in einem Garten oder auch in Privatkapellen.

Kirche: Ehen sind nicht gültig
Die vor den "Priesterinnen" geschlossenen Ehen seien kirchlich nicht gültig - dies stellte der Linzer Kirchenrechtsprofessor Severin Lederhilger klar. Denn kirchliche Ehen seien nur dann gültig geschlossen, wenn dies vor einem "bevollmächtigten Organ" geschehe, also einem Priester mit kirchlicher "Trauungsvollmacht". Dies gehöre zu den von der kirchlichen Gemeinschaft vorgegebenen Rahmenbedingungen. Den "Priesterinnen" fehle aber diese "Trauungsvollmacht". Wie alle anderen Handlungen, die sie als so genannte "Priesterinnen" setzen, seien daher auch die Trauungen ungültig, sagte Lederhilger.

30.7.2002 16:15