Montag, 29. Juli 2002

FP für Ausleseverfahren an AHS und Lehramts-Studium

  • Breite Ablehnung von Koalitionspartner und Opposition

FPÖ-Generalsekretär Karl Schweitzer und FPÖ-Bildungssprecher Rüdiger Schender fordern neue Ausleseverfahren sowohl für Lehramtsstudenten als auch für Schüler im ersten Halbjahr an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS). Beim Koalitionspartner und bei der Opposition stoßen die Vorschläge auf keine Gegenliebe.

Angesichts "tausender ausgebildeter Lehrer ohne Job" sollte in einer Art Studieneingangsphase überprüft werden, ob Anwärter für Lehramtsstudien "für den Umgang mit Schülern" geeignet sei, sagte Schender. Auch die Pädagogischen Akademien (PädAk) könnten das System übernehmen, erst nach einer Grundausbildung an einer PädAk sollte dann ein Fachstudium möglich sein. Als Vorbild nannte Schender Finnland, dort gebe es eine Aufnahmeprüfung. Heuer seien etwa nur 30 Prozent aufgenommen worden.

"Beobachtungsverfahren" vor AHS
Auch den Zugang zum Gymnasium will Schweitzer mit einem "Beobachtungsverfahren" neu regeln: Nach dem ersten Halbjahr am Gymnasium soll die Klassenkonferenz entscheiden, ob der Schüler geeignet ist oder nicht.

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) widersprach im ORF-"Mittagsjournal" Angaben, wonach es in Österreich über 8.000 arbeitslose Lehrer gebe. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) seien lediglich 400 bis 600 gemeldet. Die kolportierten Zahlen seien dadurch zu Stande gekommen, indem "unbereinigte Statistiken" - etwa auf Grund von Mehrfachmeldungen in verschiedenen Bundesländern - verwendet wurden. Von einer Koppelung von PädAks und Unis hält Gehrer nichts. Stattdessen sollten in den Lehramtsstudien mehr pädagogische Erfahrungen im ersten und zweiten Semester vermittelt werden.

ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon kann sich insofern eine Reorganisation der Lehramtsstudien vorstellen, als zuerst ein Fachstudium absolviert und dann das Lehramt - postgradual - angeschlossen wird. So könnte auch vermieden werden, dass junge Leute gleich nach der Matura eine Berufswahl treffen, die später nicht mehr umkehrbar sei, so Amon gegenüber der APA. Der Mandatar sprach sich gegen Aufnahmsprüfungen für Lehramts-Studenten aus, wobei jungen Menschen aber klar gemacht werden müsste, dass ein absolviertes Studium keine Garantie für einen Job in diesem Bereich bedeute.

Amon plädierte dafür, das von Gehrer für den Herbst angekündigte Prognoseverfahren für die Schulwahl ein bis zwei Jahre in der Praxis zu erproben, anstatt neue Vorschläge zu machen. Jene Selbsttests, mit denen die Kenntnisse der Kinder überprüft werden sollen, seien bereits an die Landesschulräte geschickt worden, so der ÖVP-Bildungssprecher.

SPÖ: "Alte Hüte"
SPÖ-Geschäftsführerin Andrea Kuntzl bezeichnete die FPÖ-Vorschläge als "alte, abgelegte Hüte". Zugangsbeschränkungen zum Lehramtsstudium würden "völlig am Kern der Sache" vorbeigehen. Die FPÖ versuche, "die sichtbaren Folgen des extremen Sparkurses" zu überspielen. Zielführend wäre eine Verbesserung der Qualität der Lehramtsausbildung und eine damit verbundene leichtere Durchlässigkeit in verwandte Berufsfelder.

Bezüglich der vorgeschlagenen Entscheidung einer Klassenkonferenz über den Verbleib eines Schülers im Gymnasium kritisierte Kuntzl, dass dabei keine Rücksicht auf Entwicklungsphasen genommen werde. Auch ein schlechtes Zusammenspiel zwischen Eltern, Lehrern und Schülern könnte zu Ergebnissen führen, die in einer anderen Klasse oder einer anderen Schule des gleichen Schultyps völlig anders aussehen könnten, so Kuntzl.

Grüne: "Unfug"
Für den Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, ist das von Schender vorgeschlagene Aufnahmeverfahren für die AHS "schwerster pädagogischer Unfug". Gerade die Übertrittsphase bringe erhöhte Belastungen für die Schüler mit sich, diese dürften nicht auch noch mit Schulverweisen sanktioniert werden. Letztendlich wolle die FPÖ neue Hürden errichten und damit Kinder aus wenig begüterten Familien benachteiligen.

Brosz lehnte auch das vorgeschlagene Ausleseverfahren für angehende Lehrer ab. Damit würde der freie Hochschulzugang eingeschränkt. Vergleiche mit Finnland lässt der Grüne Bildungssprecher nicht gelten, dort gebe es Aufnahmeverfahren an allen Unis.

29.7.2002 14:15