Freitag, 26. Juli 2002

Wohin während der Festspielzeit

  • Neue Restaurants und jede Menge Köcherochaden
  • Neuer Schwung in der Salzburger Gourmetszene

Der Salzburger Fürsterzbischof Markus Sittikus wusste fein zu leben. Er ließ 1612 nahe der Stadt Salzburg ein hübsches Lustschloss erbauen, um dort rauschende Feste zu feiern und sich den weltlichen Genüssen hinzugeben. Und weil er ein Spaßvogel war, ließ er draußen im Garten aus den Steinhockern um den Marmortisch das Wasser herausspritzen, sobald seine Gäste Platz genommen hatten.

WASSERSPIELE

Schloss Hellbrunn mit seinen berühmten Wasserspielen ist seit Jahrzehnten eine Touristenattraktion – das gastronomische Angebot glich allerdings dem einer heruntergekommenen Jausenstation. Jetzt werden in Hellbrunn wieder Feste gefeiert, wird gevöllert und getafelt. Der Salzburger Gastronom Josef Gassner ließ im Vorjahr das Restaurant in Hellbrunn aufwendig renovieren und hat nun auch einen Spitzenkoch verpflichtet: Michael Pratter,
der unter anderem schon in einem DreiMichelin-Sterne-Haus in Brüssel Erfahrungen sammelte, gilt als Shooting-Star der Salzburger Restaurantszene und kochte zuvor im Purzelbaum in der Zugallistraße. Die Gäste speisen in Hellbrunn in einem überaus dekorativ gestalteten mediterranen Gastgarten vor einer wahrhaft einzigartigen Kulisse. Überdies können
diverse Räumlichkeiten des Schlosses sowie alle erdenklichen Plätze des Parks und sogar die feuchtfröhlichen Wasserspiele bei Veranstaltungen und Events miteinbezogen werden. Wer will, kann sich auf Wunsch in jede beliebige Ecke der Anlage das Essen servieren lassen.

TRENDKOST

Seit Pratter nach Hellbrunn wechselte, kocht im Purzelbaum wieder Hubert Posch, der dem Haus schon vor Pratter zu einigem Ruhm verhalf. Der Purzelbaum zählt schon seit geraumer Zeit zu den ersten Adressen Salzburgs – in dem Haus mit dem etwas unkonventionellen Ambiente wurden immer wieder gastronomische Trends frühzeitig aufgeschnappt und ausprobiert. Eine geradlinige Entwicklung zu einem der besten Restaurants Österreichs hat hingegen das Salzburger Pfefferschiff hinter sich. Klaus Fleischhaker in der Küche und seine Frau im Service haben das schmucke Haus im Grünen im Laufe der Jahre zu einem rundum perfekten Restaurant mit Weltstadtniveau gemacht. Da überrascht es wenig, wenn heute die Gäste ihre Tische für die Festspielzeit schon im Jänner reservieren – immerhin eine Vorlaufzeit
von einem halben Jahr.

So wie der Purzelbaum wurde inzwischen auch der Döllerer in Golling mit drei Hauben im Gault Millau ausgezeichnet.
Golling, keine zwanzig Autominuten von Salzburg entfernt, ist ebenfalls seit vielen Jahren ein fixer Treff für Feinschmecker. Patron Hermann Döllerer hat nun aber zu seinem Gourmetrestaurant mit angeschlossener Fleischhauerei auch eine beeindruckende Vinothek errichten lassen. Döllerer nennt seine neue Zweigstelle
am Ortsrand von Golling Enoteca Bácaro – von außen ein modernes Bauwerk, im Inneren aber einem venezianischen
Bácaro nachempfunden. Der Gastwirt und hochtalentierte Koch Bruno Plotheger hat inzwischen sein Restaurant Bei Bruno vom Hotel Bristol in den Ratsherrnkeller des Hotel Elefant in der Sigmund-Haffner-Gasse verlegt, während das Hotel Blaue Gans in der Getreidegasse zu einem Designerhotel umgestaltet wurde. Der dazugehörige Stadtgasthof mit Küchenchef Christian Kaufmann bietet wie schon früher gute traditionelle Küche.

ALTMEISTER
Und Kochlegende Karl Eschlböck hat seit kurzem in Salzburg wieder eine Wirkungsstätte gefunden. Der Altmeister kocht nun in einer kleinen Imbissstube gegenüber dem Feinkostladen Reichl in der Wiener-Philharmoniker-Gasse.

Von: HERBERT HACKER

26.7.2002 13:05
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