Samstag, 27. Juli 2002

Russen könnten Fairchild Dornier retten

  • Deutsch-russische Strategiegruppe prüft Kooperation

Für den insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier gibt es einem Zeitungsbericht zufolge wohl einen neuen Hoffnungsschimmer. Die Zukunft des Unternehmens könnte durch eine Kooperation mit den Russen gesichert werden. Als möglicher russischer Kooperationspartner kämen die Flugzeugfirmen Tupolew und Sukoj sowie ein sibirisches Aluminiumkonsortium in Betracht.

Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Wochenendausgabe. Bei einer Tagung der deutsch-russischen Strategiegruppe sei am Donnerstag in Moskau beschlossen worden, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die eine Zusammenarbeit auf dem Luftfahrtsektor prüfen solle, vor allem was die 728-Baureihe von Fairchild Dornier angehe.

Der Strategiegruppe, die sich normalerweise nur zwei Mal im Jahr trifft, gehören auf deutscher Seite die Staatssekretäre Axel Gerlach (Wirtschaftsministerium), Caio Koch-Weser (Finanzministerium), Jürgen Chrobog (Auswärtiges Amt) sowie der Vorsitzende des Ortsausschusses der Deutschen Wirtschaft, Claus Mangold, an.

Alenia sagte ab
Vor zwei Wochen hatte der italienische Luftfahrtkonzern Alenia mitgeteilt, die Gespräche mit Fairchild über eine Übernahme des Regionaljet-Programms 728/928 abgebrochen zu haben. Anfang Juli war das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Fairchild Dornier eröffnet worden. Da kein Interessent für den Gesamtkonzern gefunden werden konnte, wird der Regionalflugzeugbauer nun voraussichtlich in einzelne Bereiche aufgeteilt.

Kontakt über Wirtschaftsminister
Der Kontakt zu den Russen sei vor drei Wochen von Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu eingefädelt worden, schrieb die Zeitung weiter. Der CSU-Politiker habe bei einem Treffen mit dem russischen Handelsminister German Gref vorgeschlagen, beim Regionalflugzeugbau zu kooperieren und habe dabei das 728-Jet-Programm von Fairchild Dornier ins Gespräch gebracht. Weil den Russen moderne Regionalflugzeuge fehlten und in den nächsten Jahren wegen des veralteten Maschinenparks ein großer Anschaffungsbedarf bestehe, habe Gref die Idee sofort aufgegriffen, berichtete Zeitung unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium.

Fairchild Dornier-Geschäftsführer Thomas Brandt äußert sich optimistisch über die neue Wendung der Dinge. "Es ist ein Ansatz, es ist Hoffnung", sagte er. Ob eine mögliche Zusammenarbeit mit Russland auf ein Joint-Venture-Projekt oder aber eine feste Firmenkooperation hinauslaufen würde, ist nach Brandts Angaben im gegenwärtigen Stadium noch unklar.

Gespräche mit China
Eine mögliche Kooperation mit Russland sei allerdings nicht der einzige Strohhalm, nach dem Dornier nach dem Scheitern der Gespräche mit anderen Interessenten greife. "Wir werden auch mit China Gespräche führen", sagte Brandt der Zeitung.

27.7.2002 10:51