Mittwoch, 24. Juli 2002

Parmalat erwirbt Sperrminorität an NÖM

  • Italienischer Milchriese mit Option auf Mehrheit
  • Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus

Der italienische Milchriese Parmalat hat mit 25 Prozent und einer Aktie die Sperrminorität an der börsenotierten niederösterreichischen Großmolkerei NÖM von der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien erworben. Zudem wurden gegenseitige Vorkaufs- und Aufgriffsrechte vereinbart, was bedeutet, dass die Italiener künftig auch die Mehrheit an der NÖM übernehmen können, teilten die beiden Unternehmen in Italien und Österreich parallel mit. Der Deal bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden.

Der Einstieg bei der NÖM eröffne Parmalat die Möglichkeit ihre Produkte auf dem österreichischen Markt sowie in den Nachbarländern, in denen die Österreicher bereits präsent sind, zu vertreiben.

Die NÖM AG setzte im Vorjahr 235 Mill. Euro um und ist hinter der Berglandmilch der zweitgrößte österreichische Milchverarbeiter. Der Parmalat-Konzern ist mit mehr als 7,8 Mrd. Euro Umsatz (2001) eines der weltweit führenden Milchunternehmen und ist in mehr 30 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten.

NÖM jetzt "strategisch abgesichert"
Mit dem Einstieg von Parmalat sei es gelungen, die NÖM AG "strategisch abzusichern", so Erwin Hameseder, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien laut einer Aussendung. Das zusätzliche Know-how des neuen Partners stelle einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil für die NÖM bei der Entwicklung neuer Märkte dar. Die neue Partnerschaft passe zudem perfekt in die Unternehmensstrategie der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, das Engagement in den osteuropäischen Nachbarländern zu verstärken.

Durch den Parmalat-Einstieg erweitere die NÖM ihr Produktportfolio und festige die Wettbewerbsstellung des österreichischen Unternehmens für die nächsten Jahre, hieß es am späten Mittwochnachmittag weiter. Die Zentrale und der Standort Baden sollen erhalten bleiben (Standortgarantie für zehn Jahre) und auch das Management, das in den vergangenen Jahren den erfolgreichen Umbau des früher defizitären Unternehmens in den vergangenen vier Jahren geschafft hat, bleibe unverändert.

Die niederösterreichische Großmolkerei erwartet sich außerdem eine Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen mit den derzeitigen Kunden in Österreich und im Ausland (Spanien, Portugal, Frankreich, Benelux, Großbritannien und Deutschland) sowie die Weiterentwicklung der Marktpräsenz in anderen Nachbarländern, besonders in den den östlichen Nachbarstaaten intensiviert. Synergien sollen beim Materialeinkauf und in der Milchbeschaffung genützt werden.

24.7.2002 17:29