Mittwoch, 24. Juli 2002

Siemens sieht kein Ende der Hightech-Krise

  • Schwächeres Ergebnis für 4. Quartal erwartet

Der deutsche Siemens-Konzern hat mit einem skeptischen Ausblick die letzten Hoffnungen auf ein rasches Ende der weltweiten High-Tech-Krise gedämpft. Die Marktbedingungen seien derzeit "extrem schlecht", sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer am Mittwoch in München. Im laufenden Quartal erwarte er daher trotz positiver Sondereffekte ein schwächeres Ergebnis als im Vorquartal.

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001/02 (per 30. September) übertraf Deutschlands größter Elektrokonzern mit einem nur leichten Gewinnrückgang die Erwartungen der meisten Analysten. Siemens schlägt sich in der Flaute vor allem wegen seiner breiten Aufstellung besser als viele Konkurrenten.

Eine konkrete Prognose für das laufende Quartal und damit das ganze Geschäftsjahr gaben Pierer und sein Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger nicht ab. Der Siemens-Aktienkurs sank nach dem vorsichtigen Ausblick und wegen eines rückläufigen Auftragseingangs um zeitweise fast 8 Prozent auf rund 46 Euro. Auch die übrigen DAX-Werte wurden mit in die Tiefe gezogen. Zu den größten Verlierern gehörten der Bauelemente-Spezialist EPCOS und der Chipkonzern Infineon, die zeitweise mehr als 8 Prozent an Wert verloren.

Der zuletzt rückläufige Auftragseingang bei Siemens deutet nicht auf einen baldigen Aufschwung hin. Im dritten Quartal sank dieser im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 19 Mrd. Euro. Verantwortlich dafür war vor allem der ertragsstarke Bereich Energieerzeugung, der zuletzt vor allem von einem Boom in den USA profitiert hatte. Der Auftragseingang brach um 51 Prozent auf 1,65 Mrd. Euro ein. Auch die verlustreiche Netzwerk-Sparte ICN verzeichnete bei den Bestellungen ein Minus von 29 Prozent auf rund 2 Mrd. Euro. Der Siemens-Umsatz sank im dritten Quartal im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 20,5 Mrd. Euro.

Mit Blick auf das kommende Geschäftsjahr 2002/03 zeigte sich Pierer leicht optimistisch. Von der Licht-Tochter Osram gebe es positive Signale. Diese habe sich in der Vergangenheit oft als Frühindikator für den gesamten Konzern erwiesen.

Beim Ergebnis übertraf Siemens im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) aus dem operativen Geschäft ging verglichen mit dem Vorquartal nur leicht von 919 auf 892 Mill. Euro zurück. "Das Ergebnis zeigt, dass es uns gelingt, auch in schwierigen Zeiten auf einem soliden Niveau zu bleiben", sagte Pierer. Im Vorjahreszeitraum lag das EBIT mit 479 Mill. Euro im Minus. Analysten hatten im dritten Quartal im Schnitt mit einem Einbruch auf etwa 680 Mill. Euro gerechnet. Zum ordentlichen Ergebnis trug neben dem Bereich Energieerzeugung (EBIT: 476 Mill. Euro) vor allem die Medizintechnik (243 Mill. Euro) bei.

Den Handy-Absatz hielt Siemens im dritten Quartal mit 8,2 Millionen verkauften Mobilfunkgeräten verglichen mit dem Vorquartal stabil. Das Geschäftsgebiet Mobiltelefone machte einen Gewinn von 28 Mill. Euro. Der gesamte Mobilfunk-Bereich, zu dem unter anderem auch die Handy-Netze gehören, schrieb vor Zinsen und Steuern einen Verlust von 9 Mill. Euro.

Im laufenden Quartal profitiert Siemens von einem Buchgewinn in Höhe von etwa 400 Mill. Euro durch den Verkauf von Unisphere. Bei ICN fallen laut Neubürger dagegen noch einmal Sanierungskosten im dreistelligen Millionenbereich an. Ob insgesamt auch ein Quartalsverlust möglich ist, wollte Neubürger nicht sagen.

24.7.2002 16:18