Mittwoch, 24. Juli 2002

Österreich steht vor Aufschwung

  • Peak im Jahr 2004

Die österreichische Wirtschaft steht vor einem Konjunkturaufschwung, der bis ins Jahr 2004 anhalten und ein Wirtschaftswachstum von mehr als 3 Prozent bringen soll. 2005 und 2006 muss aus Sicht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) wieder mit einer merklichen Verlangsamung auf +2,4 bzw. +1,7 Prozent gerechnet werden.

Bestimmt wird der Konjunkturzyklus primär von der Entwicklung der internationalen Wirtschaft und damit dem Export und den Ausrüstungsinvestitionen. In der Weltkonjunktur liegen nach Angaben des Wifo vom Mittwoch auch die größten Risken für die Prognose.

Die Inlandsnachfrage wächst zunächst deutlich langsamer als die Produktion, stabilisiert aber gegen Ende des Prognosehorizonts die Konjunktur. Die Beschäftigung steigt im Zuge der Erholung kräftig, die Arbeitslosigkeit geht auf Grund des hohen Angebotes an ausländischen Arbeitskräften aber nur langsam zurück. Die Spielräume in den öffentlichen Haushalten bleiben klein. Zugleich bestehen wesentliche Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik in der Budgetstruktur, der Innovations- und der Bildungspolitik.

Die Mittelfrist-Prognose 2001/06 basiert auf der im Juni vorgestellten Konjunkturprognose für 2002 und 2003. Das Wifo nimmt dort einen merklichen internationalen Konjunkturaufschwung an, betont zugleich aber das Risiko einer Verzögerung der Erholung. Der Höhepunkt dieses Aufschwungs könnte in Österreich 2004 mit einem realen Wirtschaftswachstum von 3 1/4 Prozent erreicht werden. Die wichtigsten Impulse für die Erholung nach der Rezession 2001 werden vom Export und den Ausrüstungsinvestitionen erwartet.

IHS sieht Wachtumshöhepunkt im Jahr 2004
Auch das Institut für Höhere Studien (IHS) hat zuletzt für den Zeitraum bis 2006 den Wachtumshöhepunkt im Jahr 2004 gesehen, allerdings nur mit 2,7 Prozent Wachtum. Für die gesamte Mittelfristprognose - beim IHS 2002 bis 2006 - ging das Institut am Montag vor einer Woche von durchschnittlich 2,3 Prozent BIP-Wachstum im Jahr aus. Dies sei allerdings etwas langsamer als im gesamten EU-Raum, wo 2,5 Prozent Plus zu erwarten seien, so das IHS. Das Wifo sieht das EU-Wachstum 2001 bis 2006 bei 2,4 Prozent.

Laut Wifo könnte die österreichische Wirtschaft von einer Erholung der Nachfrage der wichtigsten Handelspartner besonders profitieren, da die heimischen Exportfirmen wegen einer günstigen Entwicklung der Lohnstückkosten über eine hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit verfügten.

Die Risken der mittelfristigen Prognose liegen dem Wifo zufolge primär in der internationalen Konjunktur. In den USA dürfte das Wachstum schwächer ausfallen, wenn die makroökonomischen Ungleichgewichte (niedrige Sparquote, hohes Leistungsbilanzdefizit) korrigiert werden. In Europa könnte das erforderliche Zusammenspiel zwischen Geld-, Budget- und Lohnpolitik nicht ausreichend gelingen. Der Erfolg der für 2004 angenommenen EU-Osterweiterung könne langfristig erhebliche Wachstumseffekte in den neuen Mitgliedsländern und in Westeuropa auslösen. Jedoch seien die Risken - etwa bei einer zu frühen Teilnahme an der Währungsunion - erheblich, so das Wifo.

24.7.2002 10:12