Montag, 22. Juli 2002

Deutsche Bundesliga im Zeichen des Sparzwangs

  • Dennoch Rekordniveau bei den Etats

Sparen ist das große Thema bei den 18 Klubs der deutschen Fußball-Bundesliga. Gehaltskürzungen, Kader-Verkleinerung, Streichen von Sonderprämien, Zurückhaltung auf dem Transfermarkt - wenn's ums Geld geht, gibt es kein Tabu mehr. "Durch die Mindereinnahmen aus der Vergabe der TV-Rechte muss jeder Verein mit 18 bis 20 Prozent weniger Einnahmen kalkulieren", rechnet Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, vor.

In den meisten Etatentwürfen für die Saison 2002/2003 spiegelt sich dieser Sparwille jedoch nicht wider. Nur sieben Bundesligisten haben im Vergleich zu 2001/2002 etwas abgespeckt - alle anderen gehen mit ähnlichen oder höheren Budgets an den Start zur 40. Spielzeit. Die Gesamtsumme aller Etats übersteigt sogar die des Vorjahres (642,4 Millionen Euro) um rund zehn Millionen Euro und liegt auf dem Rekordniveau von 652,7 Millionen Euro.

Bayer Leverkusen ohne Probleme
Als einziger Spitzenclub braucht sich Vizemeister Bayer Leverkusen zurzeit keine finanzielle Sorgen zu machen und kalkuliert sogar mit etwa fünf Millionen Euro (38,5 Millionen Euro) mehr im Vergleich zum Vorjahr. Als Finalist der Champions League verdienten die Rheinländer königlich (33,8 Millionen Euro), durch die Verkäufe von Michael Ballack und Ze Roberto zu Bayer München (rund 24,5 Millionen Euro) kassierten der Verein zusätzlich. Investiert wurde dieses Geld in sechs neue Spieler (25,7 Millionen Euro).

Auch Bayern muss sparen
Der FC Bayern will mit einem ähnlichen Etat wie im Vorjahr (62 Millionen Euro) den Weg zurück an die Tabellenspitze finden, kündigte aber an, ebenfalls sparen zu wollen. "Die eine oder andere freiwillige Sonderprämie wird es nicht mehr geben", erklärte Manager Uli Hoeneß.

Spielergagen werden zusammen gestrichen
Der Börsen notierte Meister Borussia Dortmund hat seinen Haushalt (51 Millionen Euro) auf dem Vorjahresniveau eingefroren. Zudem will der BVB seinen Kader um vier Spieler verkleinern, die Gehälter der Profis sollen zusammen gestrichen werden, wozu sich die Spieler bereit erklärt haben. Andererseits ist Dortmund aber einer der wenigen Clubs, die mutig weiter investieren: Die dritte Ausbaustufe des Westfalenstadions kostet immerhin 18 Millionen Euro.

Deutlich gesenkt hat der deutsche Pokalsieger Schalke 04 die finanziellen Erwartungen. Statt eines Umsatzes von 98 Millionen Euro 2001/2002 rechnen die Königsblauen nur noch mit 80 Millionen.

Sichtbarer Sparwille
Sichtbar wird der Sparwille in den Etat-Planungen von Borussia Mönchengladbach (25 zu 26 Millionen Euro für 2001/2002), 1860 München (29/33), VfB Stuttgart (35,4/39,1), Energie Cottbus (21/22,5), Hansa Rostock (25/25,6), dem 1. FC Kaiserslautern (23/24,5) und 1. FC Nürnberg (12/12,3)

Übersicht der Saison-Etats (in Millionen Euro)

Verein
Etat 2002/2003
Etat 2001/2002
Schalke
80
98
Bayern München
62
61,4
Hamburger SV
61
57,3
Borussia Dortmund
51
51
Hertha BSC
45,8
43,5
VfB Stuttgart
35,4
39,1
Werder Bremen
40
38,3
Bayer 04 Leverkusen
38,5
33,2
VfL Wolfsburg
35
30,7
TSV 1860 München
29
33
Hansa Rostock
25
25,6
Borussia Mönchengladbach
25
26
Hannover 96 *
25
20
1. FC Kaiserslautern
23
24,5
Arminia Bielefeld *
23
13
Energie Cottbus
21
22,5
VfL Bochum *
21
13
1. FC Nürnberg
12
12,3
Gesamt
652,7
642,4

Die mit * gekennzeichneten Vereine spielten in der Vorsaison in der 2. Liga.

22.7.2002 16:50