Meinungsforscher sehen SPD auf der Verliererstraße
- Führende Demoskopie-Institute sehen Stimmung für Stoiber

Acht Wochen vor der deutschen Bundestagswahl sehen maßgebliche Meinungsforscher die SPD nahezu chancenlos auf der Verliererstraße. Für die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Elisabeth Noelle-Neumann, ist die Wahl sogar "klar gelaufen".
Sie konstatierte nach den jüngsten politischen Affären eine Wechselstimmung von Bundeskanzler Gerhard Schröder zu seinem Herausforderer Edmund Stoiber. In der SPD beginnt offenbar die Diskussion über die Verantwortung für das mögliche Desaster.
Noelle-Neumann sagte der "Bild"-Zeitung, der Wunsch nach einem Wechsel im Kanzleramt werde sich in den nächsten Wochen noch verstärken. Wahlentscheidend "war, ist und bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt", zitierte das Blatt die Demoskopin. Auch der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, vertrat die Auffassung, dass es "für die SPD jetzt jeden Tag schwerer" werde.
SPD-Sieg kaum noch erwartet
Der Leiter des Emnid-Instituts, Klaus-Peter Schöppner, glaubt ebenfalls nicht mehr an einen Wahlsieg der SPD. "Ich wüsste nicht, wie es Gerhard Schröder noch reißen will", sagte er der Zeitung. Bei den Wählern habe sich der Eindruck "Die können's nicht" verfestigt. Der renommierte Göttinger Parteienforscher Peter Lösche hält laut "Bild" die Wahl "zu 95 Prozent für gelaufen".
Unterdessen sind auch die Popularitätswerte für Schröder deutlich gesunken. Diesen bereits am jüngsten Politbarometer des ZDF abzulesenden Trend bestätigte eine vom Nachrichtenmagazin "Focus" in Auftrag gegebene Umfrage des Emnid-Instituts. Danach verlor Schröder binnen eines Monats vier Prozentpunkte Zustimmung und liegt in der Leistungsskala der Politiker nur noch auf Platz sieben. Vor ihm rangieren laut "Focus" Außenminister Joschka Fischer (Grüne), Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sowie die Unionspolitiker Angela Merkel, Stoiber, Wolfgang Schäuble und Lothar Späth.
Scharping-Rauswurf kein Erfolg
Auch aus der raschen Entlassung Rudolf Scharpings hat Schröder nach einer Umfrage des dimap-Instituts kein Kapital schlagen können. Nur 35 Prozent der Wähler seien der Meinung, dass sich das Machtwort des Kanzler eher günstig auf die Wahlchancen der SPD auswirken werde, berichtete die "Welt am Sonntag". Dagegen nähmen 42 Prozent der Befragten an, dies werde sich ungünstig auswirken.
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