Sonntag, 28. Juli 2002

Kommunalwahl soll Frieden in Südserbien festigen

  • Bis zum Nachmittag keine größeren Zwischenfälle

südserbischen Presevo-Tal sind am Sonntag als Teil der Friedensbemühungen für das Krisengebiet neue Gemeindeparlamente gewählt worden. Unter internationaler Beobachtung bestimmten Albaner und Serben in dem von Rebellenkämpfen erschütterten Grenzgebiet zum Kosovo ihre politischen Vertreter.

Die serbische Polizei und Beobachter erklärten, es habe bis zum Nachmittag keine größeren Zwischenfälle gegeben. Die politischen Führer der Albaner bekräftigten, sie wollten den Kampf für Rechte und Integration ihrer Volksgruppe in die Staatsstrukturen politisch fortsetzen.

In den Gemeindebezirken Bujanovac, Presevo und Medvedja waren 75.000 Wähler zur Stimmabgabe aufgerufen, etwa 60 Prozent davon Albaner. Die Wahlen sollen die Selbstverwaltung der Bevölkerung dort stärken und so zur Befriedung des Gebietes beitragen. Im Presevo-Tal hatten sich albanische Rebellen im vergangenen Jahr monatelang Kämpfe mit Polizeitruppen geliefert. Am Sonntag beklagten Politiker der Serben und der albanischen Parteien, es habe Unstimmigkeiten und Manipulationsversuche gegeben.

Krieg ist aus, nun wird politisch gekämpft
"Der Krieg ist abgeschlossen. Jetzt führen wir einen politischen Kampf", sagte der frühere Rebellenführer Jonuz Musliu, der jetzt Vorsitzender der Bewegung für demokratischen Fortschritt ist. Er sei sich aber bewusst, dass die Zukunft des Presevo-Tals in einer Entspannung liege, nicht in einer Militarisierung. Der gemäßigte Albaner-Politiker Riza Halimi, Vorsitzender der Partei für Demokratisches Handeln, betonte: "Der Krieg ist vorbei." Die Wahlen seien Chance, einen Impuls für ernsthafte Veränderungen und die Integration der Albaner in die Institutionen zu geben.

In der Region hatte es im vergangenen Jahr Kämpfe zwischen albanischen Freischärlern der UCPMB-Miliz und den Sicherheitskräften Belgrads gegeben, die nach Vermittlungen der EU und NATO beendet wurden. Es wurden gemischte Polizeieinheiten der Volksgruppen gebildet. Das jugoslawische Parlament stimmte später einer Amnestie für die jugoslawischen Staatsangehörigen zu, die wegen Terrorismus oder feindlicher Tätigkeit angeklagt worden waren.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Bujanovac
Während Presevo, wo der Anteil der Albaner bei 92 Prozent liegt, eine albanische Kommunalverwaltung bekommen wird, liefern einander Serben und Albaner in Bujanovac ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Als Zünglein an der Waage in der Kommune mit rund 35.000 Wahlberechtigten fungieren rund 5.000 Roma. Medvedja, wo Albaner etwa 18 Prozent der Bevölkerung ausmachen, wird eine vorwiegend serbische Kommunalverwaltung haben.

28.7.2002 15:09