Freitag, 26. Juli 2002

Nach Streit Haider sanft: Lob für "Lamm" Riess-Passer

  • Wird die Partei im kommenden Wahlkampf doch unterstützen

Erst schlug Jörg Haider Krach! Am Tag danach ist er sanft wie ein Lamm. Und streichelt Riess-Passer: "Es gibt ein unbeflecktes Lamm, das ist die Frau Vizekanzlerin..." Im neuen NEWS spart er nicht mit Kritik, sagt unter anderem: "Ich habe Riess angeboten, die FP bis zur Wahl zu führen..." Somit bestätigt er im NEWS-Interview erstmals, dass er wieder Parteichef werden wollte! Und stellte die Rute ins Fenster: "Die FPÖ ist in einer gefährlichen Situation. Aber ich nicht ihr Klempner..." (Das Interview zum Durchklicken im Kasten rechts).

Nach den Differenzen bei den Freiheitlichen in den letzten Tagen hat sich der Altparteiobmann am Donnerstag wieder einigermaßen versöhnlich gegeben. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Parteiobfrau Riess-Passer stellte er in Aussicht, die Freiheitlichen im kommenden Nationalratswahlkampf doch wieder zu unterstützen.

Voraussetzung: Dass sich die gesamte Freiheitliche Regierungsmannschaft den FPÖ-Kernzielen wie Privilegienabbau entsprechend widmen. Einzelkritik übte Haider zwar nicht, jedoch meinte er: "Es gibt ein unbeflecktes Lamm, das ist die Frau Vizekanzlerin." Weiterhin unterschiedliche Meinungen gibt es über die belgische Rechtspartei Vlaams Blok.

Riess-Passer selbst ist überzeugt, dass Haider auch in Zukunft der Partei zur Verfügung stehen wird. Man werde den Wahlkampf "selbstverständlich gemeinsam führen". Neuerlich betonte sie, öffentliche Diskussionen zwischen Politikern einer Partei über die Medien nicht zu schätzen. Sehr wohl begrüße sie aber offene Aussprachen, spielte sie den Disput mit Haider in den vergangenen Tagen herunter.

Eine der Hauptdifferenzen zwischen Haider und der Vizekanzlerin blieb auch am Donnerstag ungelöst. Während der Kärntner Landeshauptmann unverändert Gespräche mit der belgischen Rechtspartei Vlaams Blok führen will, lehnte Riess-Passer eine Kooperation ab. Sie halte den Vlaams Blok in jener Form in der er sich derzeit darstelle "für keinen geeigneten Partner". Der Landeshauptmann habe aber das Recht, sich selbst mit der Partei auseinander zu setzen und eine eigene Meinung zu bilden.

Riess-Passer sieht keine FP-Spaltung
FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer sieht in ihrer Partei weder eine Spaltung noch einen Richtungsstreit. Das sagte Riess-Passer Mittwoch Abend in der "ZiB 2". Sie räumte ein, dass es eine unterschiedliche Bewertung des belgischen Vlaams Blok etwa zwischen ihr und Haider gebe - dieser sei aber viel zu unwichtig, als dass dadurch ein Richtungsstreit hervorgerufen werden könnte.

Die Zusammenarbeit mit Parteien auf europäischer Ebene sei frühestens 2009 ein Thema. Dann aber werde man sich die Partner genau ansehen müssen - und aus ihrer Erfahrung im EU-Parlament müsse sie sagen, dass der Vlaams Blok für eine Zusammenarbeit nicht geeignet wäre, stellte Riess-Passer klar. Nun stehe jedenfalls die Nationalratswahl 2003 im Vordergrund.

26.7.2002 17:19