Donnerstag, 25. Juli 2002

Anti-Depressiva in Österreich häufig verschrieben

  • Antipsychotika an zweiter Stelle

Österreich entpuppt sich nach einer aktuellen Umfrage als ein Land mit vielen depressiven Menschen. Die Verschreibungen der Antidepressiva bei den Medizinern lag 2001 insgesamt auf Platz vier. Das österreichische Institut für medizinische Statistik führte die Studie von Jänner bis Dezember 2001 durch. Bei den Psychiatern und Neurologen, auf die in der Befragung ein besonderes Augenmerk gelegt wurde, sind diese Medikamente mit 35,4 Prozent aller Verschreibungen die am häufigsten verordneten Präparate.

Somit verschrieb jeder einzelne der befragten niedergelassenen Fachärzte (726, Anm.) durchschnittlich 1.000 Mal Antidepressiva. Als Vergleich dazu: Bei allen Arztgruppen ergaben die Berechnungen laut IMS Health rund 228 Verschreibungen pro Mediziner innerhalb der untersuchten zwölf Monate.

Antipsychotika an zweiter Stelle
Innerhalb dis Studienzeitraumes wurden bei allen Ärzten knapp 74 Millionen Verordnungen registriert. Dabei lagen die Allgemeinmediziner mit 74,4 Prozent und rund 55 Millionen Rezepten an erster Stelle, die Psychiater und Neurologen mit 2,8 Prozent (rund 2,1 Millionen Verordnungen) auf dem siebenten Platz. Nach den bereits erwähnten Antidepressiva (35,4 Prozent) verschrieben diese Fachärzte am zweithäufigsten Antipsychotika (12,1 Prozent). An dritter Stelle befinden sich die Tranquilizer und die Parkinsonmittel (beide 6,9 Prozent), gefolgt von Hypnotika und Sedativa (3,4 Prozent).

Die meisten Medikamente verschrieben die Psychiater und Neurologen im Bundesland Wien mit 627.000 (30 Prozent) sowie in Salzburg, Tirol und Vorarlberg mit insgesamt 433.000 Mal (21 Prozent). Die genaue Bundesländeraufteilung wollte IMS Health nicht nennen, da diese dem Datenschutz unterliegt.

Insgesamt erstellten alle Arztgruppen im Untersuchungszeitraum 58,9 Millionen Diagnosen, wobei die Allgemeinmediziner den "Löwenanteil" leisteten (75,1 Prozent). Die Psychiater und Neurologen stehen dabei - wie bei den Verordnungen - auf Platz sieben (2,6 Prozent). Allen voran stellten diese Fachärzte das Krankheitsbild "depressive Episode" (23 Prozent) fest.

Ein Vergleich: Während alle niedergelassenen Ärzte diese Diagnose durchschnittlich 182 mal stellen, wurde allein bei den Psychiatern und Neurologen das Krankheitsbild 483 Mal verzeichnet. Erst mit größerem "Abstand" folgten die Bestimmungen dieser Fachärzte wie "andere Angststörungen" (5,1 Prozent), "anhaltende affektive Störungen" (ebenso 5,1 Prozent), "Schizophrenie" (4,7 Prozent) sowie "Schlafstörungen (4,1 Prozent).

Patienten statistisch zwischen 40 und 54 Jahre alt
Die bedeutendste Patientenaltersgruppe der Psychiater und Neurologen sind die Österreicher von 40 bis 54 Jahren. Auch in diesem Alter lautete die häufigste Diagnose "depressive Episode". Dieser Gruppe werden laut Untersuchung auch jene Medikamente wie Antidepressiva, Antipsychotika und Tranquilizer verschrieben. Patienten über 65 Jahren, die einen dieser Fachärzte frequentierten, standen erst auf Platz zwei. Diese sind jedoch die häufigsten "Besucher" bei allen anderen niedergelassenen Medizinern.

25.7.2002 11:31