Mittwoch, 24. Juli 2002

"Überfall" auf Waffengeschäft war "dummer Scherz"

  • Drei Burschen erbeuteten mehrere Waffen
  • Jugendliche konnten bald gestellt werden

Der Überfall auf ein Linzer Waffengeschäft Mittwochabend war, wie sich am Donnerstag Vormittag herausstellte, angeblich nur ein "dummer Scherz". Die "Täter" hätten nur zum Spaß "Überfall" gerufen, weil der Verkaufsraum leer war, als sie ihn betreten hatten. "Wir haben uns gedacht, wenn keiner kommt, dann nehmen wir halt was mit", sagten die drei Burschen bei ihrer Einvernahme. Der Vorfall hatte in Linz für große Aufregung gesorgt.

Kurz vor Geschäftsschluss betraten die drei Lehrlinge im Alter von 16 und 18 Jahren das Waffengeschäft in der Linzer Herrenstraße - "um sich eine Softgun anzusehen". Weil niemand im Geschäft war, sagte einer der Älteren: "Überfall, kommt da endlich wer". Es kam keiner, also rief der zweite 18-Jährige ebenfalls in scherzhaftem Ton "Überfall" und klopfte auf den Tisch.

"Weil keiner da war": Burschen nahmen sich Waffen
Daraufhin kam noch immer niemand, die für die beiden offensichtlich "logische" Konsequenz: Man nimmt sich halt einfach was. Die beiden "Räuber" entschieden sich für ein Samurai-Schwert und für eine nicht geladene, gebrauchte Pistole. Der jüngste des Trios war auch der Gescheiteste: Er nahm sich gar nichts. Anschließend verließen die Burschen das Geschäft, weil "eh keiner da war".

Mit dem, was dann passierte, hatten die Drei sicher nicht gerechnet. Die Verkäuferin, das Lehrmädchen sowie der Besitzer des Waffengeschäftes nahmen den Überfall natürlich ernst. Die 23-jährige Verkäuferin befand sich gerade im Büro neben dem Verkaufsraum. Das 18-jährige Lehrmädchen stand vor der Bürotür. Als sie "Überfall" hörten, "ist das Lehrmädchen zu mir ins Büro gesprungen, dann haben wir die Tür zugehalten", erzählte die Verkäuferin. "Es war furchtbar, wir haben gezittert vor Angst, denn wir wussten ja nicht, ob die jetzt zu uns rein kommen".

Besitzer verständigte Funkstreife
Der Besitzer des Waffengeschäftes befand sich in einem Keller, hörte aber dort die Rufe "Überfall" aus dem Verkaufsraum. Geistesgegenwärtig begab er sich nicht in den Verkaufsraum, sondern verließ das Geschäft durch einen Nebeneingang und lief in eine gegenüber liegende Bäckerei. Von dort aus alarmierte der Waffenhändler die Polizei, zugleich konnte er sein Geschäft im Auge behalten. Kurz darauf kamen die drei "Räuber" heraus und flüchteten zu Fuß. Der Waffenhändler schwang sich auf sein Fahrrad und verfolgte das Trio.

Die Alarmierung hatte auch ein Streifenpolizist über Funk mitbekommen, der zufällig in der Nähe zu Fuß unterwegs war. Der Beamte begab sich Richtung Tatort, in einer Seitenstraße liefen ihm die drei Jugendlichen entgegen. Als sie den Beamten sahen, versteckten sie sich in einem Hauseingang. Der Polizist folgte den Burschen mit gezogener Dienstpistole und konnte sie in dem Hausflur stellen. Sie leisteten keinen Widerstand und ließen sich in Schach halten, bis Verstärkung kam.

Wie die Polizei mitteilte, seien die drei Jugendlichen unabhängig voneinander befragt worden. Jeder habe den wahren Hergang "glaubhaft dargelegt", er sei nicht zu widerlegen. Der "Lausbubenstreich" endete für die beiden 18-Jährigen mit einer Anzeige wegen Diebstahls. Der Jüngste "kriegt nichts", so die Polizei.

24.7.2002 21:55