Mittwoch, 24. Juli 2002

VKI-Waschmitteltest: Auch Billige waschen gut

  • Diskontprodukte haben stark aufgeholt

Der Waschmittelmarkt ist hart umkämpft: Markenartikel, die ihre Power mit großem Werbeaufwand entfalten, gegen Diskontprodukte, die vor allem als Eigenmarken des Handels in den Regalen zu finden sind. Wer wäscht "weißer"? "Die Billig-Waschmittel haben sich stark verbessert und sind inzwischen unschlagbar in Bezug auf das Preis-Leistungsverhältnis", sagte der Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), Hannes Spitalsky.

Die VKI-Tester haben 13 kompakte Vollwaschmittel - neun Diskonter und vier Markenprodukte - in die Maschine gefüllt. Das Motto lautete: Der Fleck muss weg, und das bei Energie sparenden 40 Grad. Nicht untersucht wurden diesmal Gesichtspunkte wie Gewebeschädigung, Weißgrad oder Umweltverträglichkeit.

Bei einem VKI-Test vor zwei Jahren konnten die Diskontprodukte nur bei leicht verschmutzter Wäsche mit den Marken mithalten. Diesmal zeigten sie sich auch bei starkem Schmutz ebenbürtig. Mit geänderten Rezepturen rücken die Billigen Flecken von Rotwein-, Johannisbeer- und Heidelbeersaft, Erde, Kaffee, Tee oder Spinat genauso gut zu Leibe wie Marken-Waschmittel.

Fettflecken für alle ein Problem
Bei Fettflecken kapitulieren alle Mittel weitgehend, egal wie teuer: Die beste Testnote für das Entfernen von Sugo-, Lippenstift- und Schokoladeeisspuren war ein "Durchschnittlich". Da hilft nur ein gutes Fleckenmittel oder die Putzerei.

Fazit der Konsumentenschützer: "Wer auf eine Handelsmarke umsteigt, spart übers Jahr gesehen eine schöne Summe." Am Beispiel der Testsieger Persil und Tandil von Hofer: Bei einer Maschinenwäsche pro Woche spart der Verbraucher laut VKI rund 12,50 Euro im Jahr, bei vier Wäschen 50 Euro.

Spitalsky sieht den Trend zu Eigenmarken der Handelsketten aber nicht nur positiv. Zwar seien aus der Sicht der Konsumenten Preisvorteile bei gleicher Qualität zu begrüßen. "Aber Handelsmarken gegen Markenprodukte - das nenne ich Brutalität im Kampf um Regalfläche."

Angebotsvielfalt könnte schrumpfen
Unter dem Zurückdrängen der Markenartikel könne auf lange Sicht die Angebotsvielfalt leiden. Der Kunde hätte weniger Vergleichsmöglichkeiten. Letztlich würden Konzentrationsprozesse auf Erzeugerseite verstärkt. Klein- und Mittelbetriebe hätten kaum noch Chancen, mit den "Großen" mitzuhalten.

Zudem sind die "No Names" derzeit den Markenprodukten sehr genau nachgebaut. Verschwinden die teureren Produkte, fällt der Druck dafür weg. Außerdem leisten die Markenproduzenten viel Entwicklungsarbeit, gab Spitalsky zu bedenken. Die Umweltstandards bei Waschmitteln etwa gelten mittlerweile als durchaus zufrieden stellend.

Ein Dorn im Auge der Konsumentenschützer sind Waschmittel in vier- bis neun Kilo-Packungen. Der Handel bietet diese "Jumbos" wieder verstärkt an. "Diese Dinosaurier sind nicht umzubringen", ärgerte sich Spitalsky. Die Waschleistung sei nicht schlecht, aber durch die höhere Dosierung als bei modernen Konzentraten seien diese Produkte echte "Umweltbomben".

24.7.2002 12:11