Freitag, 19. Juli 2002

Infineon mit 850 Millionen Euro Verlust

  • Betriebsverlust im dritten Quartal verringert
  • Anhaltender Preisdruck bei Chips

Der deutsche Halbleiter-Hersteller Infineon hat Analysten mit einer Verringerung seiner Verluste im abgelaufenen Quartal überrascht. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001/02 (zum 30. September) musste das Münchener Unternehmen freilich einen Betriebsverlust von 850 Mill. Euro im operativen Geschäft hinnehmen.

Vorausgegangen war ein Minus von 142 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Für die kommenden Monate rechnet der Vorstand mit einem weiter starken Preisdruck in den meisten Geschäftsfeldern.

Erholung bei Speicherchips?
Im dritten Quartal habe Infineon von einer höheren Nachfrage nach Chips für die Telekommunikation und die Automobilelektronik profitiert, wie die ehemalige Siemens-Tochter am Freitag erläuterte. Dazu hätten sich die Preise für Speicherchips, das wichtigste Segment des Konzerns, nach einem Rückgang im April und Mai gegen Ende des Quartals wieder erholt. Es gebe Anzeichen für eine moderate Markterholung im zweiten Halbjahr 2002, der starke Preisdruck werde aber anhalten. Analysten sehen in den Zahlen und dem Ausblick ein "gemischtes Bild".

Im dritten Quartal verringerte Infineon seinen Verlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 178 auf 107 Mill. Euro im Vorquartal. Nach Steuern fiel der Fehlbetrag um fast ein Drittel auf 76 Mill. Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Nettoverlust auf der Höhe der Halbleiterkrise noch bei 371 Mill. Euro gelegen. Der Umsatz legte zum Vorquartal um ein Prozent, gegenüber dem Vorjahresquartal um 10 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Den operativen Mittelzufluss (Cash Flow) im dritten Quartal bezifferte Infineon mit 293 Mill. Euro.

Überraschung bei Analysten
Mit den Zahlen überraschte der weltweit viertgrößte Hersteller von Speicherchips (so genannten DRAMs) die Analysten, die angesichts der fallenden Chippreise eigentlich mit einer Ausweitung des operativen Verlustes auf 192 Mill. Euro gerechnet hatten.

In den ersten neun Monaten schrumpfte der Umsatz im Konzern um 17 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern summierte sich auf 850 Mill. Euro, nach minus 142 Mill. Euro in den ersten drei Quartalen 2000/2001. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern früheren Äußerungen zufolge einen EBIT-Verlust von weniger als einer Milliarde (Vorjahr: 1,024 Mrd.) Euro.

Bei den Speicherchips, die vor allem in Computern zur Datenspeicherung eingesetzt werden und mit denen Infineon rund 40 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, rechnet der Konzern zwar mit einer steigenden Nachfrage, aber nur, wenn sich die PC-Nachfrage zu Beginn des neuen Schuljahres positiv entwickelt. Auch andere Chiphersteller wie Samsung Electronics oder Intel hoffen auf diesen Effekt.

In der größten Krise der Halbleiterindustrie waren die Preise für Standard-DRAM-Chips im vergangenen Jahr von 15 Dollar in der Boomzeit auf unter einen Dollar und damit deutlich unter die Produktionskosten aller Anbieter gefallen.

19.7.2002 16:00