Freitag, 19. Juli 2002

Österreicher glauben an harten Euro

  • Preiserhöhungen vor allem bei Lebensmitteln vermutet
  • Kein Gefühl für Auswirkung einer Euro-Aufwertung

Drei von vier Österreichern glauben, dass der Euro ebenso stabil ist, wie früher der Schilling. Nur 16 Prozent bezweifeln die Härte des Euro, der Rest machte in einer Umfrage der Gesellschaft für Europapolitik (GfE) keine Angaben. Männer glauben eher an die Stabilität des Euro, FPÖ-Wähler weniger.

Das geht nach Angaben des Vizepräsidenten der GfE, Heinz Kienzl, aus der Umfrage, die im Juni und Juli unter 1.106 Österreichern durchgeführt wurde, hervor.

83 Prozent der Befragten sind seit Euro-Einführung vor einem halben Jahr Preiserhöhungen aufgefallen, wobei 54 Prozent angaben, sie hätten bei Lebensmitteln mehr zahlen müssen. Frauen vermerkten dabei deutlich öfter Preissteigerungen als Männer. In Wirklichkeit seien Lebensmittel seit der Euro-Bargeldeinführung aber nur um knapp ein Prozent teurer geworden, vergleicht Kienzl: zu wenig, um wirklich gespürt zu werden.

Medien müssen aufklären
Die Wahrnehmung hänge sehr davon ab, wie ein Thema von den Medien behandelt worden sei. In Wien etwa seien die Preise für öffentliche Verkehrsmittel gestiegen, dennoch konnten sich nur 15 Prozent der befragten Wiener daran erinnern. "Was nicht zur Medienkampagne wird, ist nicht im Bewusstsein verankert", kommentiert dies Kienzl. Österreichweit vermerkten sechs Prozent der Befragten höhere Preise für öffentliche Verkehrsmittel.

Auswirkungen unbekannt
Völlig unklar ist den Österreichern offenbar, was eine Aufwertung des Euro, wie sie in den letzten Wochen statt fand, für Auswirkungen hat. 35 Prozent der Befragten erwartete daraus wirtschaftliche Vorteile, 33 Prozent Nachteile, 18 Prozent weder noch (15 Prozent ohne Angaben). "Die Leute kennen sich offensichtlich nicht aus", meint der frühere Nationalbank-Generaldirektor Kienzl, und das gelte auch für Akademiker.

Auch hier spiele eine Rolle, dass die Medien die Aufwertung des Euro kaum beachtet hätten, während der Kursabsturz vor einem Jahr ausführlich kommentiert worden war. Vor einem Jahr waren sich die Österreicher daher auch viel genauer bewusst, was eine Abwertung des Euro wirtschaftlich bedeute. Ein Jahr später sei dieses Wissen aber offenbar wieder vergessen.

19.7.2002 14:16