Mittwoch, 17. Juli 2002

Conti kündigt 100 weitere Mitarbeiter

  • Gummi-Mischwerk ab Herbst doch nicht im Vollbetrieb
  • 750 Beschäftigte ab 31. Juli ohne Job

Neuer Schlag für das Semperit-Reifenwerk im niederösterreichischen Traiskirchen: Die deutsche Konzernmutter Continental will die Produktion noch weiter zurückfahren als bisher angekündigt. Das Gummi-Mischwerk soll doch nicht im Vollbetrieb gehen. Bis zu 100 weitere Semperit-Mitarbeiter müssen gekündigt werden.

Entgegen den Zusagen werde im Mischsaal keine Vollauslastung benötigt, statt 21 Schichten an sieben Tagen sollen nur 15 Schichten von Montag bis Freitag gefahren werden, sagte Betriebsratschef Alfred Artmäuer. Damit müssten bis zu 100 weitere Semperit-Mitarbeiter gekündigt werden.

Hoffnung auf eine Wende zum Positiven hat Artmäuer nun nicht mehr: "Der Standort ist tot." Für die ohnehin schon schwer verunsicherte Belegschaft sei dies eine neuerliche dramatische Entwicklung: "Wahrscheinlich werden jetzt mehr den Betrieb verlassen als notwendig". Viele Mitarbeiter würden jetzt ein "Ende mit Schrecken" vorziehen, da die Motivation jetzt völlig abhanden gekommen sei.

"Conti hat uns heute sprichwörtlich ins Gesicht gespuckt", sagte der Betriebsrat. "Die Mitarbeiter wissen jetzt, dass sie diesem Konzern nicht mehr vertrauen können". Von dieser Entscheidung sei die Semperit-Betriebsleitung heute informiert worden. Am Nachmittag will der Betriebsrat in zwei Betriebsversammlungen auch die Belegschaft informieren.

Besonders trifft Artmäuer, dass dieser Beschluss ausgerechnet heute, am offiziell letzten Arbeitstag der Reifenproduktion, erfolgt. Am 19. Juli war der letzte Semperit-Reifen vom Band gerollt, seither hatten die Mitarbeiter die Produktion geordnet geschlossen und Material weggeräumt.

Nach Ende des heutigen Arbeitstages werden rund 750 Beschäftigte ohne Job da stehen. Rund 450 sollten noch bis 2005 bei Vollauslastung in der Gummi-Mischwerk beschäftigt bleiben, davon rund 250 Arbeiter, etwa 90 Angestellte in Verwaltung in Leitung sowie 100 im Verkauf. Die jetzt erwarteten neuerlichen Kündigungen dürften in erster Linie die Produktion betreffen.

17.7.2002 15:11