Voestalpine will Weichen-Bauer VAE ganz schlucken
- Auskauf von Vossloh und Streubesitz
- Mindestens 109 Mio. Euro für Aktienpaket notwendig

Der Linzer Stahlkonzern voestalpine plant die Totalübernahme des Weichen-Bauers VAE. Künftig wollen die Oberösterreicher, bisher zu 45,3 Prozent an VAE beteiligt, bei dem steirischen Unternehmen die alleinige Kontrolle haben.
Die voestalpine AG gab am Montag ad hoc bekannt, von der deutschen Vossloh deren 45,3-prozentigen Anteil zu übernehmen und nach der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden den Streubesitz (9,4 Prozent) "in angemessener Weise" abfinden zu wollen. Der Verkehrstechnik-Konzern Vossloh bestätigte die geplante Abgabe seiner VAE-Beteiligung an voestalpine.
Die seinerzeit zur Gänze über die Börse privatisierte VAE setzte im vergangenen Jahr mit knapp 4.000 Mitarbeitern fast 321 Mill. Euro um. Das Unternehmen hat weltweit 21 Werke in Europa, Nordamerika, Südafrika und Australien, das Stammwerk befindet sich im steirischen Zeltweg.
Für voestalpine bedeutet die Übernahme der Kontrolle bei VAE einen massiven Ausbau der Sparte Bahnsysteme. Erst 2001 war von Thyssen die Schienenproduktion übernommen worden, vor wenigen Wochen die holländische Railpro.
Für die komplette Übernahme müsste der voestalpine-Konzern mindestens 109 Mill. Euro locker machen, gemessen am letzten VAE-Börsenkurs von 142,5 Euro. In Summe geht es für die Linzer um den Ankauf von 765.800 Aktien von insgesamt 1,4 Millionen Stück.
Vossloh war mit voestalpine im Juni 1998 bei VAE eingestiegen und damit einer feindlichen Übernahme durch die französische De Dietrich-Gruppe zuvorgekommen. Derzeit verhandelt Vossloh über den Kauf des französischen Gleis- und Weichenbauers Cogifer. Erwartet werde, dass die Verhandlungen in Kürze erfolgreich abgeschlossen werden. Im Gegenzug, so hieß es, wolle sich Vossloh dann von seinen VAE-Anteilen trennen, den die voestalpine Bahnsysteme übernehmen werde.
Hintergrund für den Griff nach der ganzen VAE dürfte die strategische Neuausrichtung der voestalpine sein, sich vom reinen Stahlproduzenten in einen Verarbeitungskonzern zu wandeln. Dabei stejt unter anderem der Ausbau der Division Bahnsysteme (Weichen und Schienen) ebenso im Vordergrund wie das Zuliefergeschäft für die Autoindustrie.
Mit dem Wandel zum Stahlverarbeiter will voestalpine kräftig wachsen. Der Umsatz soll demnach bis zum Geschäftsjahr 2005/06 (per Ende März) von zuletzt 3,4 Mrd. Euro auf mehr als 5 Mrd. Euro steigen. Das Umsatzziel für die Division Bahnsysteme, die 2001/02 891,5 Mill. Euro erlöste und einen Betriebsgewinn von 46,3 Mill. Euro schrieb, liegt bei deutlich über einer Milliarde Euro.
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