Montag, 15. Juli 2002

Finanz-Skandal: US-Präsident & Vize unter Beschuss

  • Finanznot bei Harken Energy: Machte Bush Insidergeschäfte?
  • Bilanz-Tricks bei Ölkonzern Halliburton: Was wusste Cheney?

Schwere Geschütze gegen den US-Präsidenten und seinen Vize! Dick Cheney soll von den Bilanzfälschungen des Öl- und Baukonzerns Halliburton gewusst haben. Er geriet bereits wegen des Verdachts auf unlautere Geschäftspraktiken ins Zwielicht. Cheney sei als Vorstandschef des Unternehmens informiert gewesen, wer bei Halliburton noch offene Rechnungen hatte. Und der Präsident selbst wird als Insider-Händler verdächtigt! Er soll von den Finanznöten bei Harken Energy gewusst haben und dieses Wissen für den Verkauf seiner Aktien genutzt haben.

Das sagt zumindest der derzeitige Vorstandschef David Lesar dem US-Magazin "Newsweek" zufolge. Cheney habe dann auch beim Eintreiben der Schulden geholfen.

Gängige Praxis
Bei Halliwell sei es gängige Praxis gewesen, noch ausstehende Beträge in den Bilanzen als Einnahmen zu verbuchen, wenn mit diesen fest gerechnet worden sei. "Wir stehen zu unseren Bilanzmethoden", sagte Lesar weiter.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Anti-Korruptions-Initiative Judicial Watch gegen Cheney Klage eingereicht. Eine betrügerische Umstellung der Geschäftsbilanzen habe während Cheneys fünfjähriger Amtszeit an der Spitze des Konzerns "zu einer Überbewertung der Unternehmensaktien und einer Irreführung der Anleger geführt", hieß es zur Begründung. Wegen gefälschter Bilanzen waren in jüngster Zeit eine ganze Reihe großer US-Firmen in die Schlagzeilen geraten. Die Skandale reichten von Enron über Arthur Andersen bis WorldCom und Xerox.

"Der richtige Mann"
Die US-Börsenaufsicht SEC wird die Rolle von US-Vizepräsident Dick Cheney in seiner Tätigkeit als Vorstandvorsitzender des Energiekonzerns Halliburton prüfen. Von 1995 bis 2000 war Cheney als Chairman und CEO für dieses Unternehmen tätig. Falls es sich als notwendig erweist, werde seine Behörde auch zu Zwangsmaßnahmen greifen, sagte SEC-Chef Harvey Pitt im einem Fernsehinterview. Forderungen nach seinem Rücktritt wegen der Skandale wies Pitt zurück: "Ich bin der richtige Mann für den Job!"

15.7.2002 08:56