Neuerliche Brandanschläge in Rostock
- Täter vermutlich Rechtsextreme
Rund zehn Jahre nach den gewaltsamen Ausschreitungen rechtsextremer Jugendlicher in Rostock-Lichtenhagen ist dort in der Nacht zum Samstag erneut ein Brandanschlag auf das so genannte Sonnenblumenhaus verübt worden. Innenminister Gottfried Timm (SPD) sagte am Sonntag, dass vermutlich wieder ein rechtsextremistischer Hintergrund vorliege. Er verurteilte den Anschlag scharf. "Wir werden die Täter mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgen", sagte Timm am Sonntag in Schwerin. Am Sonntag hatte die Polizei jedoch noch keine konkreten Hinweise.
Nach Polizeiangaben war zunächst ein Molotow-Cocktail auf einen asiatischen Markt geworfen worden. Dabei wurden die Schaufensterscheibe zerstört und Ware teils beschädigt. Kurze Zeit später war das Büro der Arbeiterwohlfahrt im ersten Stock des Sonnenblumenhauses Ziel eines weiteren Anschlags. Der Plattenbau liegt in unmittelbarer Nähe zum Asien-Markt. Die Feuerwehr konnte beide Brände rasch löschen und somit größere Schäden verhindern. Als Täter kommen möglicherweise zwei Jugendliche im Alter von 13 oder 14 Jahren in Frage, die bei ihrer Flucht vom Tatort von Zeugen beobachtet wurden.
Das Sonnenblumenhaus war im August 1992 weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden. Aus einer Menge von rund 400 gewaltbereiten Jugendlichen waren unter dem Beifall tausender Schaulustiger Brandsätze und Steine gegen die damals in dem Plattenbau befindliche Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und das benachbarte Wohnheim für Vietnamesen geworfen worden. Mehr als 100 ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter und ihre deutschen Betreuer konnten sich erst in letzter Minute über das Dach des Hochhauses vor den Flammen retten. Nach Polizeiangaben leben noch heute mehrere Vietnamesen in dem Haus.
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