Acht Tote bei Zugunglück in Sizilien
- Schnellzug Palermo - Venedig entgleist und in Schlucht gestürzt
- Gleise schlecht gewartet - Rücktritt des Bahn-Chefs gefordert
Wegen des schweren Bahnunglücks in der Nähe der sizilianischen Stadt Messina sind die italienischen Staatsbahnen stark unter Druck geraten. Bei dem Unglück sind am Samstag acht Personen getötet und 47 verletzt worden. Schuld waren offensichtlich die schlecht in Stand gehaltenen Gleise. Konsumentenschutzverbände fordern deshalb den Rücktritt des Präsidenten der Bahnen, Gianfranco Cimoli.
Die Bahnstrecke sei veraltert und trotz des schweren Verkehrs nur eingleisig. Seit Jahren plädierten die Lokalbehörden für einen Ausbau der Strecke, die Palermo mit der Hafenstadt Messina verbindet.
Mit 100 km/h entgleist
Ein Schnellzug war mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern entgleist - acht Menschen starben. Der Zug Palermo-Venedig, in dem auch viele ausländische Touristen reisten, raste in ein ehemaliges Bahnwärterhäuschen. Rettungsmannschaften berichteten von einem Bild des Grauens am Unfallort. Gewerkschaften machten am Sonntag Einsparungen und Personalabbau bei der Bahn verantwortlich. Einen ersten konkreten Hinweis auf die Ursache liefert ein beschädigtes Gleis.
Obwohl die Bahnstrecke Palermo-Messina erst vor wenigen Tagen Sicherheitskontrollen unterzogen worden war, ist die Katastrophe ersten Ermittlungen zufolge auf Gleisverschiebungen zurückzuführen, vermuten Experten.
Genaue Ursache noch unklar
Die Bahnstrecke wird erst in einer Woche wiedereröffnet. Experten der Staatsanwaltschaft von Messina, sowie der Bahngesellschaft und des Verkehrsministeriums sind am Werk, um die genaue Ursachen der Katastrophe zu ergründen. 23 Busse sorgen für die Verbindungen zwischen der sizilianischen Hauptstadt und Messina.
Der Gewerkschaftsverband Cisl bestritt, dass ein Fehler der beiden Lokführer die Ursache der Katastrophe sein könnten. "Wir schließen entschieden einen Fehler aus, weil der Zug nicht zu schnell fuhr. Die Ursachen des Unglücks sind infrastrukturelle Probleme, die die Gewerkschaften seit Jahren melden", betonte Amedeo Benigno, Sprecher des Gewerkschaftsverbands Cisl.
Die Behörden in Messina teilten mit, die Ermittler hätten etwa 120 Meter vor der Unglücksstelle eine Absenkung des Schotters unter den Schienen festgestellt. Dies könne Ursache einer Gleisverschiebung sein.
Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von bisher 60 Kilometern pro Stunde an der Unfallstelle erst nach den jüngsten Gleisarbeiten erhöht worden sei, berichtete Ansa weiter. Die italienische Eisenbahngesellschaft hatte zuvor mitgeteilt, der Schnellzug sei 105 Stundenkilometer gefahren und damit langsamer als an der Unfallstelle erlaubt.
Bild des Graues
"Der Zug raste wie eine Rakete in das Gebäude", berichtete ein Augenzeuge. Das Haus stürzte über den Waggons zusammen. Unter den Toten ist den Angaben zufolge auch eine 24-jährige Sizilianerin, die in Deutschland lebt und auf Heimatbesuch war. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig, da sich das Unglück in schwer zugänglichem Gelände ereignete. Die staatliche Eisenbahngesellschaft teilte mit, erste Rettungsmannschaften hätten eine Stunde gebraucht, um die Unglücksstelle zu erreichen.
"Ich spürte einen gewaltigen Stoß, dann brach das Chaos aus", berichtete ein junger Passagier im Krankenhaus. Andere berichteten, der Zug "Freccia della Lagune" (Pfeil der Lagune) war vergleichsweise schnell gefahren. Verheerend sei vor allem der Aufprall auf das Bahnwärterhäuschen gewesen. "Die Leute schrien in ihren Abteilen und versuchten, aus den Zugfenstern zu klettern", sagte ein Feuerwehrmann. Eingeschlossene Passagieren meldeten sich per Handy bei den Behörden und flehten um Hilfe.
Der Zug entgleiste um kurz vor 19.00 Uhr bei der Ortschaft Rometta Marea westlich von Messina. Rettungsmannschaften setzten Hubschrauber ein, Anwohner unterstützen sie bei der Arbeit. Auch Soldaten beteiligten sich. Die Präfektur der Region bildete einen Krisenstab. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi ließ sich noch in der Nacht über die Situation unterrichten.
Unter den Toten ist den Angaben zufolge auch der Lokführer; ein Maschinist sowie ein junges Mädchen befanden sich in Lebensgefahr.
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