Samstag, 20. Juli 2002

Britischer Minister zu Kaschmir-Gesprächen in Pakistan

  • Straw verlangt, Eindringen von Extremisten zu unterbinden

Der britische Außenminister Jack Straw ist am Samstag mit konkreten Forderungen an die pakistanische Führung in Islamabad eingetroffen. Das ständige Eindringen von Extremisten in den indisch kontrollierten Teil Kaschmirs müsse unterbunden werden, sagte Straw vor seinem Treffen mit Militärmachthaber Pervez Musharraf. Im Konfliktgebiet stellten die indischen Behörden 15 Separatistenführer nach verbotenen Protestkundgebungen in Srinagar unter Hausarrest.

Nach Verhandlungen mit der indischen Führung traf Straw in Pakistan zum Auftakt mit dem Staatsminister im Außenministerium, Inamul Haq, zusammen. Noch in Neu Delhi hatte Straw gesagt, die Spannungen zwischen den beiden Nuklearmächten hätten sich zwar vermindert, die Lage bleibe jedoch schwierig.

Der britische Außenminister wollte nach Abschluss seines Gespräche in Islamabad erneut nach Indien reisen. Er hatte bereits im Mai versucht, vor Ort zwischen den beiden früheren britischen Kolonien zu vermitteln. US-Außenminister Colin Powell wird Ende Juli in Indien und Pakistan erwartet.

Blutvergießen ohne Ende
as Blutvergießen in Kaschmir ging zum Wochenende weiter. Im Grenzgebiet zu Pakistan erschossen Bewaffnete bei Rajouri zwei Menschen, bei Manjakote wurde ein Beamter getötet. Die unter Hausarrest gestellten Separatistenführer hatten in Srinagar gegen die andauernden Ermordungen von Menschen in Kaschmir demonstriert. Die pakistanische Führung betrachtet den Kaschmir-Konflikt ungeachtet des Terrors als moslemischen Befreiungskampf gegen die hinduistische Vorherrschaft.

Indessen ist ein Führungspolitiker der Dachorganisation der Moslem-Separatisten im indischen Bundesland Jammu und Kaschmir am Samstag in Srinagar verhaftet worden. Javid Mir hatte in der Landeshauptstadt eine Kundgebung angeführt, deren Teilnehmer eine neutrale Untersuchung des Massakers an 28 Hindus am vergangenen Wochenende in der Stadt Jammu forderten. Die Hurriyat-Konferenz vermutet offenbar staatliche Stellen hinter der Bluttat, die die Regierung militanten Gegnern der indischen Herrschaft über den Süden Kaschmirs anlastet.

Die Konferenz bestehet aus fast zwei Dutzend politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Verbänden, die allesamt die Befolgung des UNO-Beschlusses fordern, die Kaschmirer über ihre Zugehörigkeit zu Indien oder Pakistann abstimmen zu lassen. Das ist auch die Position Pakistans. Indien hingegen erhebt aus historischen Gründen Anspruch auf Kaschmir, das bei der Unabhängigkeit und Teilung des Südasiens von Großbritannien 1947 trotz seiner moslmischen Bevölkerung ein Hindu-Fürstentum war.

20.7.2002 14:46