Montag, 15. Juli 2002

Indien soll Gesprächsbereitschaft signalisiert haben

  • Indischer Vertreter für Leitung der Verhandlungen ernannt

Indien ist möglicherweise erstmals zu Gesprächen über eine Autonomie für die umkämpfte Kaschmir-Region bereit. Die indische Regierung habe einen Vertreter ernannt, der entsprechende Verhandlungen leiten soll, teilte der Provinzchef des indischen Teils Kaschmirs, Abdullah, mit.

Derartige Verhandlungen würden einen überraschenden Richtungswechsel der hindu-nationalen Regierung bedeuten, die eine Autonomie des Kaschmirs stets strikt ablehnte. Einen Namen des Verhandlungs-Beauftragten nannte der Provinzchef nicht. Derartige Verhandlungen würden einen entscheidenden Richtungswechsel der Regierung des indischen Premierministers Atal Behari Vajpayee bedeuten.

Vor zwei Jahren hatte das Parlament des indischen Teils von Kaschmir eine Resolution verabschiedet, in der Neu-Delhi um eine Autonomie ersucht wurde. Die Bundesregierung lehnte dies ab. Indien wirft dem Nachbarland Pakistan vor, moslemische Rebellen, die es als Terroristen bezeichnet, in ihrem Kampf um eine Loslösung des indischen Teils von Kaschmir zu unterstützen.

Als Großbritannien 1947 den Subkontinent in die Unabhängigkeit entließ und die mehrheitlich moslemisch besiedelten Gebiete den neuen Staat Pakistan bildeten, optierte der Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, für den Beitritt seines Fürstentums zur Indischen Union. Rund 60 Prozent der Fläche des mehrheitlich moslemischen Gebiets kamen zu Indien (1957 wurde der Unionsstaat Jammu und Kaschmir geschaffen), während der nordwestliche Teil als "Azad Kaschmir" (Freies Kaschmir) unter pakistanische Verwaltung gestellt wurde.

15.7.2002 10:08