Freitag, 19. Juli 2002

FORMAT deckte auf: Minister Grasser urlaubt auf Kreta

  • Er forderte Kollegen auf "so wie er auf Urlaub zu verzichten"
  • Österreicher glauben: Die Politiker urlauben zu viel!

Das sind ein paar Menschen in Österreich jetzt schon ein bisschen schadenfroh: Ausgerechnet Minister Grasser, der seine Polit-Kollegen Mitte Juli dazu aufgefordert hat, doch so wie er auf den Urlaub zu verzichten - macht gerade Ferien! Und zwar auf Kreta. Die Ferienplanung des smarten Ministers sorgte bei FPÖ und ÖVP bereits einige Male für Unstimmigkeiten. Manch einer hielt ihm Versäumnisse vor. So hätte er einige EU-Finanzminister-Treffen geschwänzt. Gesetzliche Bestimmungen dagegen gibt es keine. Wieviel Urlaub darf ein Minister eigentlich haben?

Ministerium: Ja, Grasser macht Urlaub
Dass der Chef gerade Ferien macht, bestätigte das Finanzministerium am Donnerstag. Nun logiert er seit Wochenbeginn in einer 5-Sterne-Bungalow-Anlage mit weitläufigem Garten auf der Insel Kreta - nahe dem malerischen Städtchen Agios Nikolaos. Die Hotelrezeption habe Mittwoch nachmittag "prompt die Verbindung in seinen Bungalow" hergestellt. Grasser selbst sei aber für ein Telefonat nicht erreicht gewesen.

Grassers Ferien-Sager im FORMAT-Interview
Wenn der Finanzminister etwas bereut hat, dann wohl drei locker in einem FORMAT-Interview hingeworfene Sätze: „Für mich ist es unfaßbar, daß sich die Politik im Sommer einfach in den Urlaub verabschiedet ... Die Regierung arbeitet, aber das Parlament wird zugesperrt. Ich rufe dringend dazu auf, diese Praxis zu verändern ... Solche Privilegien haben sonst alleine die österreichischen Lehrer.“ Er selbst werde mit gutem Beispiel vorangehen und in Wien bleiben, um am nächsten Budget zu arbeiten...

Urlaubsdebatte empört Politiker!
Die Aufforderung zum Urlaubsverzicht stieß auch innerhalb der eigenen Partei auf Kritik. Bundesfinanzreferent Detlev Neudeck rügete den Finanzminister; von Nichtstun könne keine Rede sein. In einem offenen Brief hatte er zu Grasser gemeint: "Zum Abschluss wünsche ich Dir, dass auch Du im Sommer bei einigen verlängerten Wochenenden am Wörther See die nötige Kraft für die anstrengenden Budgetverhandlungen im Herbst tanken kannst".

Und tschüss
Grassers Ferienplanung sorgte mehrfach für Kritik. Im Jänner waren es zwei Wochen Mauritius, im Jahr davor Hawai. Dabei wird auch schon einmal das EU-Finanzministertreffen geschwänzt oder die Eintragungsfrist für das Temelin-Volksbegehren versäumt.

Legitim ist es: In Österreich existiert keine gesetzliche Bestimmung dafür, wie oft sich Minister Ferien gönnen dürfen. Wenn er wollte, könnte Karl-Heinz Grasser auch das ganze Jahr auf Urlaub sein.

19.7.2002 12:49